WILLKOMMEN IM NIKOLAVIERTEL
WILLKOMMEN IM NIKOLAVIERTEL

NikolaBlog: Eine Phänomenologie des Viertels

Hier schreibe ich über meine Eindrücke und Erlebnisse im Nikolaviertel. Es ist eine lose Abfolge von Eintragungen, die keiner Systematik folgen. Ein Tagebuch also, das sich auf den Stadtteil bezieht. Ich nenne es "Phänomenologie". Es ist ein digitales Tagebuch, auf dieser Website öffentlich gemacht, weshalb man es auch "Blog" nennen könnte.

 

Phänomenologie heißt in der Philosophie: Beschreibung eines Sachverhalts. Mittels möglichst genauer Beschreibung soll die Wahrheit des Sachverhalts festgestellt werden. Ein Stadtteil wie das Nikolaviertel ist als Lebensraum für die, die dort wohnen oder arbeiten durch viele Faktoren bestimmt. Mit dieser Phänomenologie versuche ich, dem ein wenig näher zu kommen. 

 

Ich freue mich auf Eure Kommentare. Dafür könnt Ihr gerne direkt Kontakt zu mir aufnehmen: kontakt@nikolaviertel.de - Auf Nachfrage übersende ich gerne die Juli-August-Aufzeichnung.

Johannes - (1. Okt. 2022 © Johann Haslauer)

 

PS vom 4. Feb. 2024: Dieser Blog scheint immer noch intensiv gelesen zu werden, wie die Klickzahlen ausweisen. Allerdings gibt es kaum Feedback dazu, was mich vor ein Rätsel stellt: wer interessiert sich dafür? Ich kann nicht glauben, das sich die Reflektion des Viertels nur in meinem Kopf abspielt. Über das Format Erzählcafé mit nun schon drei Folgen ist seit Nov. 2023 ein neuer Impuls in die Öffentlichkeit des Viertels hineingekommen. jh

 

Viertes ErzählCafé im ZAK-Zentrum 

Zur Vertiefung des dritten Erzählcafés traf sich am 15. Mai 2024 um ZAK-Zentrum am Kennedyplatz nochmals eine kleinere Runde und fand hier einen idealen Ort für einen intensiven Austausch. (Foto: Willi Forster, Protokoll siehe unten)

 

Protokoll EC4 1-3.pdf
PDF-Dokument [2.1 MB]

Drittes ErzählCafé Nikola im Via del Gusto

Eine weitere Fortsetzung am 10. April 2024 im Via del Gusto behandelte schwerpunktmäßig die jüngere Geschichte des sog. Harlanderviertels. Es ging aber auch um die großen Veränderungen, die in den letzten Jahren große Belastungen für das Viertel brachten.  (Foto: Willi Forster, Protokoll siehe unten)

Zweites ErzählCafé Nikola im TurmCafé

Eine Fortsetzung gab es am 17. Januar 2024 im TurmCafé im Weißen Turm. Dabei ging es vorrangig um den eher tristen Vorplatz vor dem Weißen Turm, und wie man hier eine Verbesserung herbeiführen könnte. Denn was in der zunehmenden Verdichtung fehlt, sind öffentliche Räume, wie Johann Haslauer von der AG3 feststellte. Prof. Marius Otto, Geograph von der Landshuter Hochschule, mißt dem Areal aber großes Potential bei. (Foto: Willi Forster, Protokoll siehe unten)

ErzählCafé2 im TurmCafé am 17.Jan. 2024
Protokoll ErzählCafé2 2024-1-17.pdf
PDF-Dokument [1.3 MB]

Neue Form der Bürgerbeteiligung: ErzählCafé Nikola

Ein schöner Erfolg ist das seit November 2023 im Rahmen einer Portrait-Ausstellung mit Zeichnungen des Münchner Künstlers und ehemaligen Karlstraß'lers Werner Deimel erstmals durchgeführte "ErzählCafé Nikola", bei dem es hauptsächlich um die Nachbarschaft rund um die Wagnergasse / Karlstraße ging. Johann Haslauer eröffnete die Runde mit seinem "Nikolalied". (Foto: Willi Forster, Protokoll siehe unten)

 

Freitag 1. Dez. 2023 – 9:10 – WoZi – BRklassik

Das "Tagebuch der Phänomenologie" habe ich nun nach mehr als einem Jahr abgeschlossen. Es wird jetzt eher live erzählt. Begonnen im November 2023 mit der Reihe "ErzählCafé" in der Gastgeb, die am 17. Januar 2024 im TurmCafé fortgesetzt werden soll. Hierzu mein Konzept-Papier:  Lebensraum Nikola – Konzept des ErzählCafés2  im TurmCafé, 17. Jan. 2024 – 18-20 Uhr – beschränkte Teilnahme 

Ausstellungseröffnung Harry Zdera am Mittwoch, 10. Januar 2024 um 19 Uhr

 
"Das Experiment Erzählcafé Nikola geht weiter, diesmal in einem anderen Teil des Viertels: im Turm des alten Schlachthofs, von seinem Besitzer Markus Riemann jetzt Weißer Turm genannt. „Das Viertel ist gegenwärtig in einer stürmischen Entwicklung. Aber wir haben geschichtliche Anker, unsere eigenen, persönlichen wie auch die kollektiven, die in den historischen Bauwerken repräsentiert sind“, hieß es in der Ankündigung des ersten ErzählCafés im November, das die AG3 der Sozialen Stadt Nikola als Begleitveranstaltung der Gastgeb-Ausstellung mit Portraits von Werner Deimel veranstaltete und das sich mit der Identität des Nikolaviertels im Wandel der Zeit befasste. Schwerpunkt war der Straßenzug Wagnergasse/Karlstraße. Am 17. Jan. 2024 soll die ErzählCafé-Reihe im Weißen Turm fortgesetzt werden.
 
 Eine weitere Mitte des Viertels
In vielerlei Hinsicht war beim ersten ErzählCafé die Heterogenität des Stadtteils deutlich geworden. Die Bewohner des östlichen Endes sehen sich als im Harlanderviertel wohnhaft, benannt nach einem großen Sägewerksunternehmer. Oder auch im Schlachthofviertel, benannt nach dem stadtbildprägenden Industriedenkmal vom Beginn des letzten Jahrhunderts. Mit der Errichtung einer weiteren Pfarrei nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem sehr starken Bevölkerungszuzug war eine weitere katholische Pfarrei notwendig geworden: das Konradviertel war entstanden. Wie passt das alles ins Nikolaviertel? Und gibt es jeweils eine Mitte dieser Räume? Das Areal des Alten Schlachthofs hat das Potential, sich zu einer solchen Mitte zu entwickeln. Zentrum des Gesprächs soll deshalb der Schlachthof sein, 1906 erbaut und 1996 zum Teil abgerissen. Eine Bürgerinitiative hatte sich in den Jahren davor um den Erhalt des gesamten Ensembles bemüht. Von 1991 bis zum Abriss kämpfte der Verein Kultur im Schlachthof e.V. darum, das Ensemble, das als Gemeinschaftsleistung der Landshuter Baumeister im historisierenden Stil der Jahrhundertwende errichtet worden war, für kulturelle, soziale und weitere gemeinbedarfsorientierte Zwecke zu erhalten und die übrigen Flächen einer Wohnbebauung zuzuführen. Die Stadt wollte dem nicht folgen, verkaufte einen Großteil der Fläche und gab den verbliebenen Torso mit Auflagen für einen Euro an einen Entwickler ab. Dem folgte ein Wettbewerb, die gegenwärtig vorhandene Bebauung und diverse Nutzungskonzepte für die prachtvolle Halle, neben dem Turm das Schmuckstück des früheren Ensembles. Mit dem Via del Gusto wird die Halle seit Ende 2017 tragfähig von einer italienischen Feinkostkette bespielt, und der Turm – 2012 von Architekt Markus Riemann erworben, 2019 saniert und seit 2020 als Architekturbüro genutzt – bietet jetzt im Erdgeschoss ein kleines Café als neue Mitte des Areals. Wie der Rest des Ensembles nun seine neue Bestimmung findet, wie er von außen wie von innen gesehen wird und welche Zukunftsvarianten denkbar sind, soll in der Fortsetzung der ErzählCafé-Reihe 
beleuchtet werden.
 
 Baustein der neuen Bürgerbeteiligung
Wir konnten mit Herrn Epp, der gleich nebenan wohnt, einen aufmerksamen Nachbarn gewinnen, der die Entwicklung um das Gelände verfolgt und viel zu erzählen hat, wie auch Fr. Eigenstetter, Johann Haslauer, einer der Akteure der Kultur-im-Schlachthof-Initiative wird von den „Blütenträumen“ (Ex-OB Deimer) der 90er-Jahre berichten, Willi Forster von seiner Initiative, eine grüne Durchquerung des Areals zu erwirken und Markus Riemann von seinen Entwicklungsbemühungen und weiteren Absichten. Und zusammen könnte das Gespräch Impulse für die weitere Entwicklung geben: wie das Café mit kulturellen Inhalten auf das Umfeld ausstrahlt und als – wenn auch kleiner als einst vorgesehen – neuer öffentlicher Raum integrative Kräfte entfaltet. Für das Viertel gilt es, die vorhandenen Inseln der Kommunikation zu beleben: TurmCafé, Gastgeb, AWO-Mehrgenerationenhaus, ZAK-Zentrum am Kennedy-Platz, der neue Kunst-Kiosk in der Schwestergasse. Mit Neuauflagen des Erzählcafés an diesen und weiteren Orten, mit Ausstellungen, aber auch mit anderen Veranstaltungen. Die AGs1/3 der Sozialen Stadt Nikola wollen in Ihrer Initiative fortfahren. Das Viertel ist nicht mehr das alte – ebensowenig wie die bisherigen öffentlichen Räume. Und auch für die Bürgerbeteiligung müssen wir neue Wege finden. Die ErzählCafés sind dafür ein Baustein."

 

Und hier noch das Protokoll des ersten ErzählCafés Nikola, das am 8. November 2023 in der Gastgeb stattgefunden hat - im Rahmen der Ausstellung von Portraits von Werner Deimel unter dem Titel "Lebensraum Nikola. Gesichter und Geschichten aus dem Viertel":

 

"Ein Experiment der Identitätsfindung
Es war ein Experiment, das sich aus der Vorbereitung der Ausstellung „Lebensraum Nikola – Gesichter und Geschichten aus dem Viertel“ mit Portraits des Münchner Künstlers Werner Deimel in der Gastgeb ergab, der lange Jahre Kunsterzieher am Gymnasium Seligenthal war 
und in den 80er-Jahren in der Karlstraße gewohnt hatte. Das Viertel ist gegenwärtig in einer stürmischen Entwicklung. Aber wir haben geschichtliche Anker, unsere eigenen, persönlichen wie auch die kollektiven, die in den historischen Bauwerken repräsentiert sind. Eine öffentliche Begleitveranstaltung der AG3 der Sozialen Stadt Nikola in der Gastgeb sollte sich – unterstützt von der Sanierungsstelle im Baureferat – am 8. November im Format eines Erzählcafés mit der Identität des Nikolaviertels im Wandel der Zeit befassen. Johann Haslauer stellte die Sprecher der AGs, Uli Theising (AG3) und Willi Forster (AG1 – er hatte erst vor kurzem für seine Verdienste um das Viertel die Bürgermedaille der Stadt erhalten) vor und gab anhand von alten Stadtplänen einen kurzen Überblick über die Geschichte des Nikola-Raumes, der erst Ende der 70er-Jahre im heutigen Stadtteil-Umgriff festgelegt worden war. Fotosammler Tom Rogler hatte die Pläne beigesteuert und auch auf die Hochwasserfreilegung verwiesen, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg eine größere Bebauung westlich der Hohen Gred, der alten Verbindung von der Stadt zur Nikolakirche, in den überschwemmungsgefährdeten Bereichen möglich machte.
 
 Schwerpunkt Wagnergasse/Karlstraße
Rund 20 Personen hatten sich für das Café angemeldet; eine breitere Streuung der Werbung dafür war wegen der räumlichen Situation in der Gastgeb nicht angesagt. Aber das war auch gut so, denn die beiden Gärtnerei-Keck-Töchter Monika Maier und Angelika Keßner aus der damaligen unmittelbaren Nachbarschaft der Deimels hatten bereits so viel aus ihrer reichen Vergangenheit zu berichten, dass noch weitere Einzelerlebnisse gar keinen Platz gefunden hätten. Sie wußten, was früher im Jägerwirt los war, wo sich die Jugendlichen herumtrieben und wo der erste Supermarkt stand (gleich hinter der Gastgeb), wodurch der Anfang gesetzt wurde für die Ablösung der vielen kleinen Einzelhandelsgeschäfte in der Straße, die dann nach und nach verschwanden. Ebenso wie die Wirtshäuser im Viertel. So wurde der Straßenzug Wagnergasse / Karlstraße zum räumlichen Zentrum des Gesprächs. Da konnte auch Architekt und Bauunternehmer Manfred Wimmer gut andocken, der mit der Wagnergasse 2 eine große Aufgabe zu bewältigen hat. Dass er es kann, hat er mit der Sanierung der Maschinenhalle Sommer am anderen Ende des Straßenzugs bewiesen. Es ist nur die Frage des „wie“. Wie er versicherte, will er aber die Kleinteiligkeit der ursprünglichen Bebauung mit den historischen Handwerkerhäusern beibehalten und die einstige Parzellenstruktur einhalten. Er zeigte sich offen für einen erweiterten Beteiligungsprozess. Die gute Gesprächsatmosphäre gab Hoffnung für einen positiven Fortgang. Dazu trug sicherlich auch die Gastfreundlichkeit des Hausherrn bei, der leckere Pinsas aus dem Piccolo Cacciatore, dem benachbarten „Kleinen Jäger“ auftischen ließ.
 
 Wo ist die Mitte des Viertels?
In vielerlei Hinsicht wurde die Heterogenität des Stadtteils deutlich. Die Bewohner des östlichen Endes sehen sich als im Harlanderviertel wohnhaft, benannt nach einem großen Sägewerksunternehmer. Mit der Errichtung einer weiteren Pfarrei nach dem Zweiten Weltkrieg mit 
einem sehr starken Bevölkerungswachstum war eine weitere katholische Pfarrei notwendig geworden: das Konradviertel war entstanden. Und jetzt sollte alles das Nikolaviertel sein? Pfarreien waren stets auch soziale und kulturelle Zentren. Man denke nur an die Theatergruppen Nikola und Konrad, oder die Kolpinggruppe Nikola, am Tisch vertreten durch Gabi Amannsberger. Der Rückgang der Gläubigen hat aber auch hier eine Veränderung im Sozialraum Nikola bewirkt, über die man jedoch nichts Genaueres weiß. Dr. Stegen vom Münchner Büro Salm+Stegen, das mit der Evaluierung des Prozesses Soziale Stadt beauftragt ist, konnte hierzu mit einigen Klärungen helfen. Eine Sozialraumanalyse wäre hier hilfreich, regte Johann Haslauer an. Es gebe es keine einheitliche Identität des Viertels, erst das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt wirke seit 1999 in diese Richtung. Und als Markus Stenger die Runde nach der Mitte des Stadtteils fragte, wusste keine/r so recht, wo eine solche zu verorten sei. AWO-Koordinator Patrick Jean-Baptiste erzählte von seinen Erfahrungen mit dem Mehrgenerationenhaus, der größten baulichen Neuerung des Projektes Soziale Stadt Nikola, das umfangreiche Möglichkeiten der Begegnung anbieten kann, die aber noch nicht so recht genutzt würden. Die Leute, insbesondere die Jugend, würden das Angebot nicht annehmen. Die Corona-Pandemie hat dem öffentlichen Leben auch hier einen herben Dämpfer gegeben. Christina  Meindl, die ehemalige Rektorin der Grundschule St. Nikola, konnte dazu ihre Erfahrungen an der Schule weitergeben. Öffentliche Räume für die Jugendlichen wären dringend notwendig. Und seien es nur „Bushäuschen ohne Bus“ an geeigneten Plätzen für Treffs, wie sich das in anderen Städten bewährt hat.
 
 Die Weisheit der Gruppe 
Am Ende konnten einige der Teilnehmer/innen bestätigen, dass sie viel Neues über das Viertel erfahren hätten, auch, dass sie sich für das eine oder andere Projekt einbringen wollten. Mögliche Inseln der Kommunikation sind ja vorhanden: die Gastgeb, das Turmcafé im alten Schlachthof, das AWO-Mehrgenerationenhaus, das ZAK-Zentrum am Kennedy-Platz. Weiteren Input könnten Neuauflagen des Erzählcafés an diesen Orten bringen. Dieser Anfang in der Gastgeb konnte Mut machen. Das Viertel ist sicher nicht mehr das alte – ebensowenig wie die öffentlichen Räume. Und auch für die Bürgerbeteiligung müssen neue Wege gefunden werden, die „Inseln“ verknüpft, die zarten Pflänzchen aktiv gepflegt. Und dann hoffentlich 2024 wieder ein Nikolafest im Freien. Landschaftsarchitekt Helmut Wartner rief zu einer Schlussrunde auf, was denn für einen selbst überraschend gewesen sei und fügte auch gleich seine Wahrnehmung hinzu: die „Weisheit der 
Gruppe“. Andere bemerkten die Vielfältigkeit der getroffenen Aussagen, machten noch Anmerkungen zum veränderten Sozialverhalten („Früher hat man seine Nachbarschaft noch gekannt“), äußerten die Hoffnung, dass es noch weitergehe mit der Sozialen Stadt. Dr. Stegen war verwundert, dass diese niederschwellige Vernetzung erst jetzt stattfindet, und dass ein gegenseitiges Verstehen der jeweiligen Lebenswelten eine ganz wichtige Voraussetzung für die weitere Arbeit sei. Hausherr Markus Stenger wollte dafür die Gastgeb als „Motor für das Viertel“ verstanden wissen, und Johann Haslauer hatte soviel Mut gefasst, „dass das Experiment weitergeht“."
 

 

Mittwoch 25. Okt. 2023 – 9.37 – WoZi – BRkl, Elisabeth wuselt am Gang herum, Baumaschinenlärm

 

Helmut Wartner war letzte Woche auf einer Fachtagung zum Thema „Baukultur klimagerecht weiterdenken“ in Vatersdorf. Unter diesem Titel hatten sich auf Einladung des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege im Saal der Firma Leipfinger-Bader interessierte Kommunalpolitiker, Bauamtsleiter und Planerinnen und Planer aller Art in versammelt. Mit dabei Markus Stenger, der dort sein Projekt Gastgeb vorstellte. Helmut Wartner schrieb dazu:

„Zum Abschluss des Vortragsteiles erläuterte der Münchner Architekt Markus Stenger, wie er in mühsamster persönlicher Kleinarbeit das weit über 500 Jahre alte Holzblockhaus in der Landshuter Pfettrachgasse wachküßte: durch die Schälungen bis auf den Zustand, den er in Abstimmung mit den Denkmalpflegern nach einem peniblen handgezeichneten Aufmaß bis auf den Ursprungs-Blockbau zurückführte. In der zweijährigen Umbauphase lernte er dabei, dass die früher sparsamste Verwendung von nur wenigen Materialien äußerst reparaturfreundlich ist. Es ermöglicht auch anfänglichen Laien, durch Eigenleistung einen emotionalen Bezug zu einem unverwechselbaren Gebäude und seiner Geschichte aufzubauen. Jetzt ist das wegen seiner früheren Nutzung als Beherbergungsstätte „die Gastgeb“ getaufte Haus eine Kultur- und Begegnungsstätte im Stadtviertel Nikola. Rund ein Dutzend HAUSGÄSTE sind auf Einladung des Besitzerehepaares Stenger schon auf Zeit eingezogen. Lohn der Mühen war die Auszeichnung mit der Bayerischen Denkmalschutzmedallie 2022 und ein lesenswerter Erfahrungsbericht mit dem Titel „Hausverbrauch“. Fazit der Veranstaltung: nicht im Neubau liegt die Zukunft, sondern in der intelligenten Nachnutzung und im Umbau vorhandener Bausubstanz mit geringst möglichem Flächengebrauch. Reparaturfreundliche, rohstoffschonende Materialien stehen dafür als Alternative zum Beton schon jetzt zur Verfügung. So läßt sich Baukultur klimagerecht weiterdenken.“

 

Und dort wird auf Einladung der AG3 der Sozialen Stadt Nikola ab kommenden Freitag der Münchner Künstler Werner Deimel Hausgast sein. Besonders interessant wird für mich dabei die Begleitveranstaltung am Mittwoch, 8. Nov.: da haben wir ein „Erzählcafé“ angekündigt, in dem die Identität des Viertels thematisiert werden soll.

 

Freitag 13. Okt. 2023 – 12:59 – WoZi – Baumaschinenlärm, Elias niest auf dem Balkon, V 

Der Termin mit Dr. Stegen vom Münchner Evaluations-Büro Salm+Stegen am Montag dieser Woche im Weißen Turm des Alten Schlachthofs – ein „Experten-Einzelgespräch“ – war recht  erfreulich. Dr. Stegen war an einer distanzierteren Betrachtung mit größerem Zeithorizont interessiert. Was hat das Projekt Soziale Stadt aus meiner Sicht für das Viertel gebracht? Ich meinte, es habe das Viertel als solches ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gerückt, da für die Bewohner des Viertels vielfach eine andere Wahrnehmung besteht (St. Nikola / St. Konrad). Die „Sanierung“ folgte dann durch den Druck des Immobilienmarkts einer eigenen Logik. Die neu Zugezogenen seien aber im Alltagsleben nicht sichtbar geworden, verstärkt habe sich nur der Verkehr und der Bedarf an Parkplätzen. Mit den vielen Neubauten ist keine entsprechende Verbesserung der Infrastruktur und des öffentlichen Raums einhergegangen.
Was waren die herausragendsten Einzelmaßnahmen? Für mich Bau und Einrichtung des AWO-Mehrgenerationenhauses. Er bemängelte dabei aber eine fehlende einheitliche Konzeptionierung So sei kein Zusammenhang zwischen QM-Zentrum am Kennedyplatz und der AWO erkenntlich. Wir nannten aber auch Maßnahmen an der Nikolaschule, Spielplatz-Erneuerung am Stadtpark, Pocketpark an der Römervilla. Von seiten der Bürgerbeteiligung, die durch das QM nach der Phase Eck/Kowalsky keine besondere Unterstützung erfuhr, verwies ich auf herausragende Beiträge der Nikolafeste und Willi Forsters 100-Bäume-Programm. Als ich ihm die vier Ausgaben der Stadtteilzeitschrift „Der Nikolaner“ (von 2009) zeigte, lobte er die Herausgabe; ein solches Medium sei in den meisten Soziale-Stadt-Gebieten eine wesentliche Kommunikations-Plattform.
Auf meine Frage nach dem Expertengespräch mit der Bürgerbeteiligung (AG1/3) meinte er, man wolle dies zeitnah durchführen, - aber ohne mich. Eine Einladung werde bald rausgehen. Eine öffentliche Veranstaltung à la Bürgerversammlung sei nicht vorgesehen, auch keine anonyme größere postalische Befragung über Zufallsadressen, dafür aber im kommenden Jahr eine Passantenbefragung in Zusammenarbeit mit Prof. Otto von der HAW Landshut.
Ich bin gegenwärtig noch in den Vorbereitungen für die Ausstellung „Lebensraum Nikola. Gesichter und Geschichten aus dem Viertel“ drin. Besonders die Begleit-veranstaltung „Erzählcafé“ treibt mich um. Tom Rogler habe ich um die leihweise Überlassung von drei großformatigen Stadtplänen (1890, 1920 und 1950), anhand derer sich die Geschichte des Viertels darstellen läßt. Das möchte ich am Anfang der Veranstaltung machen, damit wir überhaupt wissen, wovon wir sprechen. Und am Ende hoffe ich, dass da Impulse für eine neue Erzählung des Viertels herauskommen.
 

Mittwoch 27. Sept. 2023 – 8.57 – WoZi – BRkl: Isabella Leonarda. Elisabeth kämpft mit ihrer Erkältung

Der Evaluations-Workshop, zu dem die Sanierungsstelle den Quartiersbeirat (QB) für den 13. September in das Staatsarchiv eingeladen hatte, war sehr produktiv. Unter Leitung des beauftragten Büros Salm+Stegen aus München tauschten sich die Mitglieder dieses Gremiums über ihre Interessen und Schwerpunkte aus, wodurch ein sehr lebendiges und vielfältiges Bild des Viertels zustande kam. Leider fehlten von den eingeladenen Stadtratsfraktionen Vertreter der SPD, der Freien Wähler, der Linken, der ÖDP und der AFD. Nach der ersten Vorstellungsrunde musste sich auch Bürgermeister Dr. Haslinger in Vertretung des OB und Leiter des QB wg. eines anderweitigen Termins verabschieden. Die Fragestellungen des Büros waren gut vorbereitet, auch die Vertreter der Bürgerbeteiligung (Willi Forster, Uli Theising und ich) kamen zu Wort, ebenso der mit eingeladene Prof. Dr. Otto von der HAW Landshut, mit dessen Studenten im kommenden Frühjahr die Straßenbefragung durchgeführt werden soll. Bis dahin sollen auch die vorgesehenen Experteninterviews abgewickelt werden, ebenso die Zufalls-Umfragen per Post. Wir sind alle auf die Ergebnisse gespannt. 

 

Mittwoch 30. August 2023 – 17.30 – WoZi – Baustelle, Elisabeth knipst auf dem Balkon an den Pflanzen

Die Ausstellung mit Werner Deimel in der Gastgeb scheint jetzt in trockenen Tüchern. Wenigstens hat mir Ele Schöfthaler jetzt geschrieben, dass die von mir erbetenen Mittel für unsere (AG3-)-Beteiligung von Stadt und Regierung genehmigt seien. Schön, dass das so reibungslos ging. Ich bin jetzt schon seit Tagen dabei, mich einzulesen, denn Werner hat mich gebeten, bei der Vernissage am 25. Oktober in die Ausstellung einzuführen. Ich bin ja nicht der beste Redner, aber das sollte ich schon hinkriegen. Für mich ist es eine Gelegenheit, ein paar Gedanken zur Identität des Viertels zusammenzuführen.

Werner war richtig begeistert von der Gastgeb. Denn das Häusl stammt genau aus der Zeit, in der von den Kunsthistorikern ein großer Umbruch in der Malerei gesehen wird: die Entwicklung der (bürgerlichen) Individualität, am stärksten von den Niederländern vorangetrieben. Das altmeisterliche Portrait ist Werners Vorbild, und er hat es in seinen großflächigen Zeichnungen auf eine andere Ebene gehoben. Da sehen uns nun großdimensionale Gesichter an, die zum großen Teil aus dem Viertel kommen, wobei ich in meiner Rede diesen räumlichen Bezug herstellen werde. Werner legt mit seinen Bildern sein Verhältnis zu seiner damaligen Wirklichkeit offen, die sich stark auf das Viertel bezog, wo er wohnte und arbeitete. Und ich kann dann was zur Identität des Viertels sagen, das damals – in den 80er Jahren – noch diesen Touch von „Glasscherbenviertel“ hatte. Die Karlstraße, in der er mit seiner Familie in einem Hinterhaus wohnte, war recht heruntergekommen. In den 90ern kam ja dann das Sanierungsvorhaben „Soziale Stadt Nikola“ ins Spiel mit den VU 1991 bis 1996. Wir waren noch mit der Hoffnung auf Rettung des Alten Schlachthofs und seiner Nutzung für kulturelle Zwecke zugange. Lange her.

 

Donnerstag 10. August 2023 – 10.50 – WoZi – BR2 Sommernotizbuch, V 

Soeben kam im Radio ein Kurzinterview mit dem Gastgeb- und Jägerwirt-Architekten Markus Stenger. Es sollte eine Buchvorstellung Seines Titels „NN“ sein, ist aber ein Gespräch über nachhaltiges Bauen geworden, was auch nicht schlecht war. Markus konnte seine Anliegen gut rüberbringen: „Wir müssen lernen, alt zu bauen“. Er ist ja dabei, in München einen guten Namen für Zwischennutzung zu bekommen. Das kommt natürlich alles in so einem Häppchenbeitrag in einem Radiomagazin viel zu kurz. Und kein Wunder, wenn er sich auf meine Mails wegen der Ausstellungs-Idee von Werner Deimel mit seinen Zeichnungen von Nikola-Gesichtern noch nicht gemeldet hat. Er hat je viel zu tun. Schnell ist es dagegen mit dem Ausstellungs-Projekt von Helmut Wartner gegangen, der am 5. Oktober im Jägerwirt sein Bäume-Buch vorstellen wird. Biergärten und Alleen in Landshut und Umgebung, eine Zusammenfassung von Zeitungsartikeln der letzten Jahre.

 

Monntag 7. August 2023 – 8.15 – WoZi – BRklassik: Baccarole aus Hoffmanns Erzählungen, T, V

Wie könnte ein aktuelles Narrativ für das Nikolaviertel aussehen? Eine bündige „Erzählung“, die mehr über das Viertel aussagt als der Begriff „Glasscherbenviertel“, der in den 80er/90er-Jahren im Umlauf war. Die Ausstellung von 2009 in Alt-St. Nikola „Urbane Narrationen“ mit den Fotos von Peter Litvai und den zusammengetragenen Sprüchen von Bewohnern war ein ganz guter Ansatz. Ich habe mich die letzte Zeit mit der Theorie dazu befaßt, ausgehend von einem Artikel von Aleida Assmann in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift Merkur „Was ist ein Narrativ? Zur anhaltenden Konjunktur eines unscharfen Begriffs“, in dem sie sagt:

 

„Auch für Stadtentwicklung und Integration kann Biografiearbeit in Form einer Aufhellung der Geschichte von Stadtteilen und des Austausches von Lebenserfahrungen und Anekdoten eine positive Veränderung bewirken, weil sie gegenseitiges Interesse stimuliert und Anerkennung und Wertschätzung fördert. Die Grenze zwischen Alteingesessenen und Dazugekommenen wird dabei fließend.“ (S. 88)

Und:

„Narrative stützen sich auf historische Erinnerungen, und in einer Demokratie stützen sich diese Erinnerungen auf historische Forschung. Eine solche Aneignung von Geschichte ist eine wichtige Form der Partizipation in der demokratischen Gesellschaft geworden, wo sich die Grundfragen um das kollektive Selbstbild – wer wollen wir sein, wie wollen wir leben? – in einem Prozess permanenter Konflikte und deren Aushandlung befinden.“ (S. 96)

 

Zu diesem Thema sind beim BBSR – Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raum-forschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung Bonn im letzten Jahr aktuellen Forschungsergebnisse dazu veröffentlicht worden: „Narrative in der Stadtentwicklung: Ergebnisse aktueller Forschung im BBSR. Online-Publikation 29/2023“. Die Begriffe „Framing“ und „Leitbilder“ tauchen hier auf. Und der in Beiträgen des BBSR immer wieder präsente Stadtforscher Stephan Willinger etwa stellt hier fest:

 

„Derzeit entstehen alternative Narrative mit einem Fokus auf den Begriffen Allgemeinwohl und Koproduktion“.(8)

 

Also Innenstädte (und Stadtteile) nicht mehr nur als Orte des Parkens und des Einkaufens, wie das noch in der Verwertung des Geländes des Alten Schlachthofs Anfang der Jahrtausendwende geschehen ist. Aspekte wie „Gemeinwohl als Leitbild“ werden aber in Landshut viel zu wenig verhandelt. Um den Verein Architektur und Kunst, der früher manchmal solche Themen in Veranstaltungen zur Diskussion gebracht hat, ist es in den letzten Jahren leider still geworden. Und der Verein „Landshut im Wandel“, der sich in dieser Orientierung versteht, dümpelt als Stammtisch traurig vor sich hin. Schade. Aber auch mir fehlt es an Energie für weitere Engagements. „Stadt als Möglichkeitsraum“ bleibt eine Vision der Hoffnung.

 

Monntag 24. Juli 2023 – 9.15 – WoZi – BRklassik: Vivaldis Konzert in A-Dur, Baumaschinenlärm

Die Landshuter Hochzeit ist nun wieder vorbei. Das Viertel ist ja davon nicht betroffen. Dafür gibt es nun einen Termin für einen Evaluations-Workshop, zu dem die Mitglieder des Quartiersbeirats und die betroffenen Fachstellen der Stadt eingeladen wurden. Auch Prof. Otto wurde dazu eingeladen, das durchführende Büro allerdings immer noch nicht benannt.

 

 

Sonntag 23. Juli 2023 – 15.59 – WoZi – BRklassik: F. Mendelssohn-Bartholdys Sommernachtstraum, Verkehr, Ticken der Uhr, T

Das ist noch lange nicht durch, das mit der Wagnergasse 2. Am vergangenen Donnerstag hat man sich im Bausenat nun darauf verständigt, nochmal das Landesamt für Denkmalpflege heranzuziehen und seine neuerliche Bewertung auf der Basis der nun vorliegenden Gutachten im Kontext des Gesamtareals abzuwarten und – zumindest planerisch – die Möglichkeit eines Fuß- und Radweges direkt an der Isar offen zu lassen. Der in den letzten Planungen des Bauherrn schon herausgestrichen worden war. Auf 4,5 Millionen € hat man nun die Kosten für Sanierung und Erhalt des Handwerkerhauses taxiert, wozu nochmal mindestens eine Million für den Fuß- und Radweg dazukämen. Das ist alles andere als wirtschaftlich darstellbar. Aber man sieht, wie hier die Widersprüchlichkeit des Denkmalschutzes auf den Punkt kommt. Und die Bedeutung des historischen Gebäudes für das direkte vorstädtische Umfeld.

 

Sonntag 16. Juli 2023 – 19.52 – WoZi – Verkehr, Ticken der Uhr, Tinnitus

Viel passiert, die letzten Wochen. Ich kommen mit dem Schreiben gar nicht mehr nach. Erst gestern hat die LZ ihren Landshuter Lokalteil mit dem Thema Wagnergasse 2 aufgemacht. Am kommenden Donnerstag soll nun im Bausenat über das weitere Vorgehen entschieden werden. Es liegen nun Gutachten vor, die sich für eine Unzumutbarkeit der Erhaltung des Denkmals aussprechen. Da könnte dann abgerissen werden, was das Bauforum Wimmer ja schon seit Jahren anstrebt, um die geplante neue Bebauung umzusetzen. Die Denkmalbehörde sagt zwar immer noch Erhalt, hat durch dieses Gutachten aber die schlechteren Karten. Man kann gespannt sein.

 

Ein weiterer großer Bericht befaßt sich in der Reihe „Landshuter Häuserporträts“ mit der sog. „Sturm-Villa“ in der Papiererstraße, der über kurz oder lang ein ähnliches Schicksal blühen wird. Im Artikel geht es aber in erster Linie um die letzte Bewohnerin, die Künstlerin Dorle Sturm, die ich noch von ihren Einkäufen im Kräuterladen in den frühen 80er Jahren kennengelernt habe, wo ich eine Zeitlang gearbeitet habe.

Weitere Themen der letzten Tage waren der „Probebetrieb“ des „Il piccolo cacciatore“ im alten Jägerwirt in der Karlstraße. Der Pächter ist der Betreiber einer Pizzeria in Preisenberg in Kumhausen und macht das Projekt zusammen mit seiner jungen Frau. Es ist zu wünschen, dass er hier Fuss fassen kann. Eine Wirtschaft ist so wichtig für das Umfeld, und es wurden schon so viele in den letzten Jahren geschlossen.

 

Dann gab es noch ein paar Zeitungsmeldungen in den letzten Tagen, als wir im Urlaub waren: Am 13. Juni die Todesanzeige von Frau Biolek (84) aus unserem Haus. Früher hat man in einem solchen Fall im Haus für einen Kranz gesammelt, meinte dazu Elisabeth. Wir konnten nicht mal bei der Beerdigung dabei sein. Wir haben sie in guter Erinnerung, auch schon von der Haus-Nr. 2.

Dann ging eine erfreuliche Stadtpark-Aufwertung durch den Bausenat: im westlichen Teil des Parks, zum Klötzlmühlbach hin sollen Freizeiteinrichtungen das Angebot für die Bevölkerung verbessern (LZ 15.6.). Sodann wurden für die Podewilsstraße Bäumchen-Kübel als Test zur „Gewöhnung“ der Anwohnerschaft an mögliche späteren Großbäume beschlossen. Alles viel zu zaghaft angesichts der Klimathematik, wie sie uns bevorsteht. Aber es wurde auch die von der CSU//-Fraktion angestrebte weitere Versiegelung der Flutmulde durch einen parallelen Radweg gestoppt. Der ist nun in diesem Ausmaß wirklich nicht nötig, und er würde auch die Nutzungskollisionen nicht wirklich lösen (LZ 17.6.).

Und mit Maria Christiane Hansen gibt es jetzt in Seligenthal eine neue Äbtissin, einer Dänin. Es sind noch 35 Schwestern im Konvent hieß es im gleichen Artikel (LZ 28.6.).

 

Sonntag 25.6.2023 – 12:08 – Gargnano am Gardasee – Wellenschlag, ein Motorboot, TV-Presseclub über die neue Entwicklung in Russland

Wegen unseres Urlaubs bin ich seit mehreren Wochen von jeglicher neuer Information abgeschnitten. Die Wochen davor lag mein Interesse beim kollektivwissenschaftlichen Ansatz des Passauer Literatur- und Kulturwissenschaftlers Prof. Hansen und seiner Stiftung, die an der Universität Regensburg einen kulturwissenschaftlichen Lehrstuhl „Kollektivwissenschaft“ eingerichtet hat, an den im April Dr. Heike Delitz berufen wurde, eine junge Sozialphilosophin und Kulturwissenschaftlerin, die sich zuletzt viel mit französischer Soziologie und philosophischer Anthropologie befasst hat. Es ist eine Frage der Begrifflichkeit, ob ein Stadtteil als „Kollektiv“ verstanden werden kann und welchen Beitrag diese Kollektivwissen-schaft zum besseren Verständnis des Nikolaviertels leisten kann. Ich meine, dass damit das Phänomen kollektiver Identität enger in den Blick gefasst werden kann, aber dafür bräuchte es auch genauere Sozialraum-Untersuchungen des Viertels. Dem wird man vielleicht durch die vorgesehene Evaluation der Massnahmen der Sozialen Stadt Nikola näherkommen. Aber auch hierzu war der endgültige Auftrag zum Zeitpunkt STEP2040-Stadtteilrundgänge Ende Mai immer noch nicht erteilt, wie mir Fr. Sieber vom Baureferat mitteilte, die mit der Abwicklung der Evaluation betraut ist.

Ein anderer Ansatz ist der von Prof. Marius Otto von der HAW Landshut, dessen Thema im Rahmen der Sozialraum-Forschung örtliche Nachbarschaften sein werden. Im kommenden Sommersemester will er sich auf das Nikolaviertel konzentrieren, wobei ich ihn gerne unterstützen möchte, soweit es in meiner Kraft steht.

Für eine Identitätsfindung wären neben den gemeinsamen Bildern und der gemeinsamen Geschichte auch eine gemeinsame Erzählung vonnöten. Woher aber diese nehmen, wenn das Viertel als solches nur eine Konstruktion ist, die sich hauptsächlich aus wirtschaftlichen Interessen herleitet? St. Nikola, Klostergründung, Leprosenhaus, Überschwemmungen, Papiermühle, die Schwaigerengel bei der Landshuter Fronleichnamsprozession? Dann die Bewältigung des starken Zuzugs sowohl anfang des 20 Jhts. (GeWoGe-Gründung) wie auch nach dem 2. Weltkrieg (neue Pfarrei St. Konrad), und am Ende dann der neue Schub seit der Jahrtausendwende.

 

Erstmals habe ich nun den KI-Dienst „ChatGPT“ ausprobiert und nach der Bedeutung von Narrativen für die Konstitution von kollektiver Identität in einem Stadtviertel gefragt. Auf meine Frage nach den Inhalten einer solchen Erzählung erhielt ich folgende Antwort:

 

Welche Inhalte wären für ein Narrativ des Landshuter Nikolaviertels relevant?

ChatGPT

Für das Nikolaviertel in Landshut könnten folgende Inhalte relevant sein, die zur Konstituierung einer kollektiven Identität beitragen können:

  1. Historische Bedeutung: Das Nikolaviertel hat eine lange Geschichte und ist eines der ältesten Viertel in Landshut. Die Erzählungen über die historische Entwicklung des Viertels, seine architektonischen Besonderheiten und seine einstige Bedeutung als Handels- und Handwerkszentrum können dazu beitragen, eine Identität zu formen, die auf dem historischen Erbe des Viertels basiert.

  2. Kulturelle Vielfalt: Das Nikolaviertel ist auch heute noch ein Ort, an dem verschiedene Kulturen und Gemeinschaften aufeinandertreffen. Die Erzählungen über die kulturelle Vielfalt, die unterschiedlichen Traditionen und Bräuche der Bewohnerinnen und Bewohner können das Gefühl der Zusammengehörigkeit stärken und das Nikolaviertel als einen Ort des interkulturellen Austauschs und der Vielfalt präsentieren.

  3. Lokale Gemeinschaft und Nachbarschaft: Das Nikolaviertel zeichnet sich durch eine aktive und engagierte Nachbarschaft aus. Die Erzählungen über die Zusammenarbeit und den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft, über lokale Initiativen und Projekte können eine kollektive Identität fördern, die auf dem starken Gemeinschaftsgefühl und der solidarischen Unterstüt-zung basiert.

  4. Architektonische Besonderheiten: Das Nikolaviertel besitzt eine Vielzahl von historischen Gebäuden, engen Gassen und charmanten Plätzen. Die Erzählungen über die architektonischen Besonderheiten des Viertels, seine einzigartige Atmosphäre und seinen Beitrag zur Stadtkulisse können dazu beitragen, eine Identität zu formen, die das Nikolaviertel als einen besonderen und authentischen Ort hervorhebt.

  5. Zukunftsorientierung und Entwicklung: Das Nikolaviertel unterliegt einem stetigen Wandel und ist Teil der städtischen Entwicklung Landshuts. Die Erzählungen über zukünftige Visionen, Pläne und Projekte für das Viertel können dazu beitragen, eine Identität zu formen, die auf dem Engagement für eine nachhaltige und lebenswerte Zukunft basiert.

Es ist wichtig anzumerken, dass die tatsächlichen Inhalte und Erzählungen von den Bewohnerinnen und Bewohnern des Nikolaviertels aktiv mitgestaltet werden sollten. Eine partizipative Forschung oder Einbeziehung der lokalen Gemeinschaft kann dabei helfen, die spezifischen Narrationen und Inhalte zu identifizieren, die für das Nikolaviertel am relevantesten sind und zur Konstituierung einer kollektiven Identität beitragen können.

 

Freitag 26. Mai 2023 – 8.45 – WoZi – Brklassik: Violinkonzert, Verkehr, Baustellenlärm

 

Ein sehr interessanter Termin gestern, dieser STEP2040-Rundgang Altstadt/ Nikola mit rund 60 Teilnehmern. Die erste Station war der Platz vor der Nikolaschule. Da ging es wieder vorrangig um den Verkehr, den die starke Verdichtung mit sich bringt. „Die Parkraumbewirtschaftung kommt“, sagte Frau Geiner, Leiterin der Stadtentwicklung, mußte aber bei vielen Einzelanliegen immer wieder auf die politische Ebene verweisen. Und es gibt da vielfältige Konflikte: zwischen Auto und Fahrrad, aber auch zwischen Fahrrad und Fußgängern, und ein Nahverkehrsplan ist auch noch ausstehend. „Shared space“ kam ein Einwurf, aber da sind wir in Landshut noch weit entfernt. Zur Parkplatz-Problematik verwies Frau Geiner auf ein ständig leeres Parkdeck am Klinikum, auch die Tiefgarage am Schlachthof dürfte ständig leer sein. Aber hat da die Stadt nicht ihre Quartiersgaragenplätze vor ein paar Jahren wieder verkauft? Dann war noch die Notwendigkeit einer öffentlichen Toilette am Spielplatz im Stadtpark, eine weitere Aufwertung mit einer Freizeitanlage beim Hammerbach ist aber bereits in der Planung.

 

Die nächste Haltestelle war die Mühleninsel, wo eine Öffnung der Isarufer gefordert wurde, um den Fluß besser in die Stadt einzubeziehen. Hier wurde auf die Zuständigkeit des Freistaats verwiesen, beim Springbrunnen dort, der sich seit Jahren in einem öden Zustand befindet und nur gelegentlich eingeschaltet wird, auf die gesetzlich vorgeschriebene Trinkwasserqualität, was sehr teuer sei. So ging's hin und her zu vielen Detailfragen, 2040 als Wegmarke wurde zwar immer wieder angemahnt, dafür war aber dieses Format nicht geeignet. Weitere Stichworte waren vertikale Ausgleichsflächen (weil es ja keine freie Flächen mehr gibt), oft nicht durchgesetzte vorgeschriebene Dachbegrünung und und und.

 

Beim zweiten Teil der Veranstaltung, einem Workshop im Bernlochnersaal mit Thementischen zu den verschiedenen Bereichen (neben Wohnen/Arbeiten/ Gewerbe, Freiraum/Klima/Umwelt, Mobilität/Energie auch Bildung/Kultur/ Sport und Soziales), wo man positive und negative Eindrücke mittels roter und grüner Kärtchen auf Thementafeln posten konnte, überwogen bei weitem die roten mit den kritischen Fragen und Anmerkungen. Eine Diskussion darüber kam nicht mehr zustande, weil die Zeit schon zu fortgeschritten war. All dies und der weitere Fortgang des Prozesses wird auf der Website der Stadt dokumentiert und transparent gemacht. Da ist schon eine große Anstrengung des Baureferats erkenntlich. Es wäre aber hilfreich gewesen, die Viertel Altstadt und Nikola als je eigene Veranstaltungen zu bearbeiten. Und: Die Zukunft kam unter die Räder bzw. viel zu wenig vor.

 

12.05 – WoZi – DRkultur: Nachrichten, Glocken von St. Konrad, Verkehr

Unser Hausarzt Dr. Mrowka, der seit 15 Jahren am Piflaser Weg seine Praxis hat, hört nun zum 30. Juni auf, - weil er keinen Nachfolger gefunden hat, aber letztlich, weil er die geplante digitale Patientenakte nicht mitmachen will, bei der sich die Verwaltungsarbeit unzumutbar erhöhen werde. Das ist ein herber Verlust für diesen Teil des Viertels. Nächsten Dienstag kann ich mir meine Akte abholen.

 

 

Samstag 6. Mai 2023 – 17.18 – Balkon – Verkehr, Klaviermusik aus dem WoZi, Jet, Vogelgezwitscher

 

Gestern hat nun Markus Stenger mit einem richtigen Knaller seinen Jägerwirt in Szene gesetzt. Da war der ehemalige Gastraum richtig voll, als er kurz sein Raumkonzept für den Jägerwirt umriß und als erstes Event Iris Maria Nitzl vorstellte, die dort ihre Bilder von Jägerständen und Hochsitzen präsentiert und dazu – am Klavier begleitet von Monika Schwarz – Kunstlieder zum Thema Wald zum Besten gab. Das war gesanglich hohes Niveau. Mal was ganz anderes in diesem alten Bau aus dem 19. Jh., den Markus Stenger mit diesem Ereignis wachküßte. Eine weitere erfreuliche Bereicherung für das Viertel! Der gute Besuch gibt Mut für Weiteres: die Schau wird bereits kommendes Wochenende mit einem Pop-up-Buschenschank beschlossen, für den die im Hinterhof aufgestellten und zur Eröffnung vollen Tische und Stühle einen Vorgeschmack gaben. Das Catering hatte der künftige Wirt des „Il Piccolo Cacciatore“ übernommen, der demnächst den Bistro-Betrieb in der Schwemme starten wird, die auch schon in Augenschein genommen werden konnte. Eröffnung ist am 15. Juni.

Und da trifft man auch alte Bekannte und kommt auch schnell ins Gespräch über das Viertel. „Was? Du bist in die Nikolaschule gegangen? - Wie war das denn da?“ Die Mutter wohnte noch lange am Hofangerweg, er selbst blieb aber nicht mehr lange, weil der Vater nach Deggendorf versetzt wurde. Aber er fühlt sich jetzt noch als Nikolaner.

Noch mehr Geschichten aus dem Viertel gab's bei einem Stammtisch-Ausflug den Tag über: eine Bekannte, die in der Papiererstraße wohnt, erzählte da von einem Mord im Januar diesen Jahres, der seltsamerweise nie in der Zeitung stand, wobei es aber ein riesiges Polizeiaufgebot gegeben hatte. Osteuropäer, schlimme Sache. Aber ganz genau wußte sie es auch nicht. Sie hatte nur große Probleme, durch die Absperrungen nach Hause zu kommen. - Mit anderen Teilnehmern des Ausflugs konnte ich mich über Nachbarschaft unterhalten, - die wir hier im Haus die letzten Tage auch verstärkt pflegen konnten: mit dem Raufbringen eines Fernseh-Beistellschränkchens für Fr. M. vom 5. Stock oder das Aufpumpen der Fahrradreifen für Fr. J. vom 3.

 

 

Samstag 29. April 2023 – 9.03 – Bib – Radionachrichten aus dem WoZi, Jet, Vogelgezwitscher, VT

 

Nun habe ich gestern zufällig in einem Lokal an der Isar den Maier-Rudi wieder getroffen. Den Motorrad-und KFZ/Kran-Maier, den ich zu diesem Stromversor-gungsanbau in der Renatastraße 8 befragen wollte. Der Vorgänger, dem die Eltern von Rudi das Grundstück mit Haus (und Anbau) 1951 abgekauft haben, war der Betreiber einer Zimmerei und eines Sägewerks Frauenknecht, ein offensichtlich wohlhabender Junggeselle, der auch einen Gärtner und einen Chauffeur beschäftigte. Er hatte zur Eigenversorgung mit Gemüse auch ein großes Gewächshaus. Das damals sehr große Grundstück wurde beim Verkauf aufgeteilt: eine Hälfte übernahm die Familie Maier, die andere Anton Hofer, der seinerseits darauf seine Holz- und Kohlenhandlung aufbaute, sich später allerdings mit einem größeren Wohnbau-Projekt verspekulierte und sich deshalb das Leben nahm. Eine große Tragödie für seine Familie. Einer seiner Söhne ging zu mir in die Klasse. Dieses Vorgänger-Sägewerk bezog seinen Strom von der Stadt, hatte aber auch eigene Dieselaggregate in diesem Anbau zur Unterstützung der Versorgung. Diese Gerätschaften wurden später verschrottet und verkauft.

 

Sonntag 16. April 2023 – 9.20 – WoZi – 3SAT-Talk über Philosophie, Geraschel von der Küchenzeile

Da scheint im Moment im Viertel einiges in Bewegung: mit einer neuen Kunstgalerie als „Unelitärer Kunstkiosk“. Ein toller neuer kultureller Akzent für das Viertel wurde nun damit in der Schwestergasse gesetzt: der Landshuter Künstler Johannes Veit eröffnete am vergangenen Samstag sein Atelier Veit Landshut. „Sulla Terrazza“ ist die Ausstellung betitelt und zeigt farbintensive und ausdrucksstarke gestische Malerei. „Räumlichkeit ahnend genießen“ kennzeichnete Künstlerkollege Michael Lange seine Haltung dazu in seiner Einführung, betonte eingangs die gemeinsamen Ursprünge im Viertel – am Piflaser Weg, wo beide in Nachbarschaft ihre Kindheit verbrachten – wie auch die neue Raumdefinition des Orts an der Schwestergasse (zuletzt war dort eine Fahrschule drin) in der Installation dieser Galerie. Ein schöner Impuls fürs Viertel. Einen guten Eindruck gewinnt man auch schon beim Blick durchs große Schaufenster. 

 

Karsamstag 8. April 2023 – 15.20 – WoZi – Zeitungsgeraschel, Geklapper von der Küchenzeile

Dieses „E-Werk“ an der Renatastraße 8 war für den Betrieb des dortigen Sägewerks um die Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts eingerichtet worden. Es gab um die Zeit mehrere solcher E-Werke zur Versorgung von Industriebetrieben mit Strom. Ein städtisches Elektrizitätswerk wurde erst 1906 eröffnet, einer Weiterleitung von Strom über Gemeindegrund gab die Stadt keine Zustimmung. Wie der Stadthistoriker Max Tewes dazu wußte, machte Johann Weiß auf der Hammerinsel 1883 den Anfang, errichtete eine weitere Anlage in der Krämermühle und 1884 im Prantlgarten. „1910 gab es in Landshut 17 davon, eine befand sich im Bereich Schwestergasse (Sägewerk Frauenknecht; Anschrift 1905: Schwestergasse 34).“ Leider würden genaue Katasterpläne des Gebiets aus der Zeit um 1900 feh-len, um zu sagen, ob das fragliche Nebengebäude seinerzeit zum Sägewerk gehör-te. Als ich Frau Maier jetzt fragte, deren Familie Haus und Grund 1950 erworben hatte, um dort ihren KFZ-Betrieb aufzubauen, wusste sie um keine weiteren Einzelheiten. Sie wußte auch nichts mehr über den Verbleib der vorherigen Ausstattung. Der fragliche Anbau werde seit langem zur Aufbewahrung von Gartengerät genutzt.

 

Sonntag 2. April 2023 – 15.50 – Bib – Klavieranschläge vom WoZi, VT, Elisabeth telefoniert am Gang

Es sieht gut aus beim Jägerwirt: es wird am 5. Mai im großen Erdgeschoß-Raum eine Gemäldeausstellung mit Bildern der Malerin Iris Maria Nitzl eröffnet, die sich mit Jäger-Hochständen beschäftigt hat – passend für den „Jägerwirt“. Finissage am 12. / 13. Mai mit einem Buschenschank und Burgenländer Weinen und einer Musikgruppe aus Weihmichl. Und Anfang Juni – zum Beginn der Landshuter Hochzeit wird dann ein junger sympathischer Italiener seine kleine Pizzeria in der Schwemme des Jägerwirts starten. Ein guter Beitrag für die Entwicklung einer „Szene“ in diesem Teil des Viertels, in dem bereits so viele Gaststätten eingestellt wurden.

 

Sonntag 26. März 2023 – 16:01 – WoZi – Kinderstimmen von unten, Heizung, VT

Bei einer Stadtführung der Freunde der Altstadt habe ich heute Markus Stenger wieder getroffen und ihn nach dem Fortgang der Arbeiten am Jägerwirt gefragt. Er meinte, er hätte jetzt einen Pächter für die Schwemme, und es würde bereits am 2. Juni losgehen. Vorher sei aber bereits im Mai auch noch eine Ausstellung in dem großen Raum des Hauses geplant. Ich werde ihn nächsten Samstag besuchen, um Näheres herauszufinden.

 

Samstag 25. März 2023 – 14.20 – WoZi – Max-Reger-Klavierstück in Brklassik, Wind, VT

Meine Überlegungen zum Nikolaviertel konnte ich beim STEP2040-Auftakt am Donnerstag im Bernlochnersaal nicht einbringen. Da war zwar für Bürger*innen Gelegenheit, sich zu den Themen Verkehr, Wohnen und Kinder/Schulen zu äußern – auf dem Podium, flankiert vom Stadtbau-referenten und von OB Putz samt Rathaussprecher und Städtetags-Ehrengast Dr. Munzinger. Das war Bürgerbeteiligung zum Abgewöhnen. Ansonsten erweist sich das ganze Unternehmen als Flop: schon der Verweis auf die insgesamt 75 Rückmeldungen (= 0,1 Prozent der Landshuter Bevölkerung) bei den vorangegangenen Infoständen und dem digita-len Beteiligungsformat ist eine erbärmliche Bilanz, die mit der einleitenden Bemerkung von Dr. Haslinger als Leiter des SR-Sonderausschusses STEP2040, dass der Prozess keine rechtliche Bindungswirkung habe, die entsprechende Unterfütterung erhielt. Und natürlich war da auch nicht die Rede von einem Leitbild für die Stadtentwicklung, auch nicht von der Leipzig-Charta des Deutschen Städtetags als verbindliche Richtlinie einer gemeinwohlorientierten integrierten und nachhaltigen Entwicklung.

 

Im Mai wird es mit Stadtteilveranstaltungen weitergehen. Da ist sicher die richtige Gelegenheit, die Anliegen des Viertels unterzubringen. Und da kann ich dann auch gleich auf die aktuellsten Bevölkerungszahlen zurückgreifen, die ich jetzt vom Amt für Statistik erhalten habe. Demnach ist der neueste Stand der Dichte im Viertel 85 EW/ha. Der Bevölkerungsstand 31.12.2022 ist demnach nun 11.889 EW (Landshut 76.631) mit einem Ausländeranteil von 30,2 Prozent (LA 23,2). Dabei ist die Größenordnung bei den jüngeren Bevölkerungsgruppen in etwa gleich geblieben, die Gruppe der 19-65-Jährigen ist leicht von 65,9 auf 67,7% der Gesamtbevölkerung gestiegen (LA von 66,2 auf 64%), die bei 66+ von 20,7 auf 18,3% gesunken (LA 20,7 auf 20,3).

 

Eine Bekannte aus früheren Zeiten gab mit unlängst einen Hinweis auf ein versteckt liegendes älteres Gebäude im Garten eines Hauses in der Renatastraße hinter dem Kennedyplatz. Hier steht noch ein kleineres Gebäude mit Stilelementen des frühen 20. Jahrhunderts, das einst als „erstes Landshuter Elektrizitätswerk“ genutzt wurde, wie der Besitzer des Grundstücks meiner Bekannten erzählt hatte. Das muß ich aber nun herausfinden, was es damit auf sich hat.

 

 

Freitag 10. März 2023 – 14.20 – WoZi – Wind, VT 

Mein Standard-Spaziergang durch die Flutmulde bis zur Fischerhütte beim Stausee hat mich die letzten Tage an eine interessante Baustelle geführt: da werden auf Höhe der Konrad-Adenauer-Brücke die Strommasten erhöht, weil nächstes – übernächstes? – Jahr die Sanierung dieser Brücke ansteht und für die erforderlichen großen Baukräne die Stromleitung höher gelegt werden muss. Diese Leitung läuft nach nur wenigen hundert Metern in eine Umspann-Anlage an der Kleinen Isar, gleich bei den Heimgärten und den Tennisplätzen des Postsportvereins, vormals die Anlage des TC Weiß-Blau. Da hatten wir Ballbuben beim TC Rot-Weiß – damals noch an der Rupprechtstraße – einmal eine Stadtmeisterschaft der Ballbuben. 1961 war das. 

 

Wieder ein bemerkenswerter Artikel im SZ-Feuilleton: In dem Beitrag „Isar Valley? Oh my god!“ schreibt Andrian Kreye zu den vorgesehenen Engagements der großen amerikanischen Tech-Firmen in München mit bedenklichen Auswirkungen auf das städtische Umfeld wie auch auf die Immobilienpreise: „In den digitalen Konzernen ist die Lebensform zum Beispiel eine posturbane, in der der digitale den öffentlichen Raum ersetzt.“ Diese posturbane Lebensform ist wohl auch bei den Neuzugezogenen im Nikolaviertel schon gängige Praxis, die bei BMW und den Zulieferern arbeiten oder nach München pendeln. Sie wollen nur hier wohnen, einen Stellplatz für ihr Auto, die Flutmulde zum Joggen und ihren Hund auszuführen und die Innenstadtnähe für einen Café-Besuch am Samstagvormittag. So brauchen wir also in unserer posturbanen Gesellschaft keinen öffentlichen Raum mehr. Gibt es denn dann noch Öffentlichkeit als Basis demokratischen Geschehens? Die digitale Sphäre ist ja auch bereits im Verfall begriffen: in jene Blasen, in die wir uns mit unserem Klick-Verhalten eingewiesen haben. Und unser Ruf nach Bürgerbeteiligung und öffentlichem Raum – alles obsolet?

 

Montag 13. Feb..2023 – 10.15 – WoZi – Klavierkonzert im Radio, Kreissäge vom Hof unten, wo gerade drei Bäume gefällt und zerlegt werden

Schöne Sendung gestern abend im Kulturjournal des BR2 mit einem Beitrag von Roland Biswurm über die Landshuter Stadtentwicklung. Da ließ er von Landshu-ter Akteuren die im Innenbereich von der Landshuter Hochzeit geprägte „Betongotik“ (Dieter Wieland) kommentieren. Wie ein Damoklesschwert habe die LaHo jahrzehntelang die Entwicklung ausgebremst (Helmut Wartner); sie wäre aber auch „das einzig wahre identitätsstiftende Ereignis“. Der Denkmalschutz spielt nun eine wesentliche Rolle und kann auch den Zugezogenen aus anderen Kulturkreisen den Wert von Geschichte vermitteln (Christina Meindl). Dabei konzidierte der Gastgeb-Sanierer und Architekt Markus Stenger, dass „die Stadt von der Struktur her noch authentisch“ sei. Jeder spüre das, und: „es gibt noch einen Batzen an höchstwertiger konstruktiver Hochkultur in Landshut“. Und das gehört gefälligst weiter gepflegt. Galerist Jörg Ludwig sieht einen „großen Stillstand“ in Landshut, das habe „irgendwie Methode“. So bleibe die Dabatte um die Betongotik weiter zwingend aktuell. Und so könne man – so das Fazit von Roland Biswurm – hier „großes Welttheater“ erleben.

https://www.br.de/mediathek/podcast/kulturjournal/kulturjournal-vom-12-februar-2023/1939438

So ist über die Identität Landshuts lange nicht mehr gesprochen worden. Und genauso interessant wäre es vielleicht, auch einmal die Identität des Nikolaviertels zu thematisieren, in dem momentan kein Stillstand herrscht, sondern sehr viel passiert.

Im Moment werden vor unserer Haustür drei ausgewachsene Bäume gefällt und zerlegt, um dann für uns den Blick auf die Parkplätze des Nachbarhauses freizugeben. Vielleicht sind sie krank, oder standen der Baufirma im Wege? Als ich den Mann mit der Motorsäge nach dem Grund für sein Tun fragte, sagte der, „die standen halt im Weg“. Vielleicht braucht die GeWoGe den Platz auch für weitere Parkplätze? Uns blutet das Herz.

Was wäre das aber für eine „neue Erzählung“ für das Viertel? Dass es für den Ort, den betreffenden Raum zwischen Kleiner Isar und Flutmulde eine Geschichte gibt, die sich aber nun fortschreibt, - die wir fortschreiben. Aber wir haben keinen öffentlichen Raum für die persönliche Begegnung und keine Riten und Traditio-nen, auf die wir uns beziehen können, um uns unserer Identität zu vergewissern. 

 

 

Freitag 10. Feb..2023 – 14.45 – WoZi – V,T, Elisabeth hantiert in der Küche, Schritte, Türen

Es sind nun sogar zwei AG-Sprecher als Mitglied im Vergabegremium benannt, wie sich bei der heutigen Bausenatssitzung herausstellte. Nicht stimmberechtigt zwar, aber auch Fr. Geiner ist als nicht stimmberechtigt dabei. Stimmberechtigt sind die sieben Mitglieder des Stadtrats Reichwein (CSU), Borgmann (Grüne), Schneck (FW), Bräcklein (Linke), Wachter (FDP), Dr. Müller-Kroehling (ÖDP), Schubert (AfD). Sie können dann unter den Bewerbern auf der Basis eines 20-minütigen Vortrags ihre Wahl treffen. Tom Keyßner hat dazu angemerkt, dass im Viertel eine große Veränderung stattfindet, die man sich genauer ansehen sollte, weshalb er auch das Sozialreferat eingebunden sehen möchte.

 

Donnerstag 9. Feb..2023 – 16.38 – WoZi – V,T, Elisabeth hustet, ein Martinshorn

In der Bäckerei Wackerl habe ich heute wieder Hans Hassert getroffen, und wir haben bei einem Kaffee ein wenig über die Veränderungen am Bismarckplatz geplaudert. Er hat nun schon seit über 30 Jahren seine Schreinerwerkstatt dort und hat vieles kommen und gehen gesehen. Sein Vorderhaus gehöre jetzt dem Architekten Neumeister, der seine Nase sehr hoch trage, das Rückgebäude, in dem seine Schreiner-Werkstatt ist, gehöre nun zum Nebenhaus, das die Frau Janson aus München geerbt habe.

Bismarck als Namensgeber für Straßen und Denkmäler ist im Moment sehr in der Diskussion, weil er nicht mehr als Identifikationsfigur taugt. Da ist der aufkommende Nationalismus des 19. Jahrhunderts, den er als Vollender der deutschen Einigung maßgeblich vorangetrieben hat, wobei er auch für das Scheitern der De-mokratie mit verantwortlich war, wie heute kritisiert wird und zudem als Rassist erkannt wird. Zu sehr aber werden in der Beurteilung die Verdienste um die Be-gründung des Sozialstaats in den Vordergrund gestellt, als dass man in Landshut diese Namensgebung für diesen einzigen wirklichen Platz im Viertel in Frage stellen könnte.

 

Dienstag 7. Feb..2023 – 16.18 – Bib – V,T, NTV-Berichterstattung zum Erdbeben in der Türkei aus dem Wozi, Flammenwerfer von der Dacheindeckung im Nachbarhaus

Schon wieder ein neuer Begriff: Topophilia. In der Veranstaltungsvorschau des Linzer KEPLER SALONs bin ich darauf gestoßen (Mo, 13.2.2023, 19:30 Uhr):

„Die Urbanisierung zeigte in den vergangenen Jahren die Macht der Städte, nun wurde aber auch ihre Vulnerabilität sichtbar. Orte lassen sich nicht von oben herab entwickeln. Räume stehen leer, Geschäfte werden aufgegeben, es müssen neue Wege beschritten werden. Wer nach Antworten sucht, kann viel durch die Geschichte erfahren. „Der Topophilia Effekt“ ist eine Methode die dabei hilft, die Ortsentwicklungen neu zu denken. Es geht darum, nach der Geschichte eines Ortes zu forschen, um zugrundeliegende Muster darin zu erkennen. Letztendlich geht es um statistisches Datenmaterial.“ Roberta Rio, Historikerin

In Landshut wird der Leerstand zunehmend Thema, besonders wenn der „Karstadt“ geschlossen werden sollte. Der alte „Müller“ in der Altstadt konnte auch nicht mehr vermietet werden, und es ist auch noch kein Nachfolger für den „Alpenstrand“ gefunden. Und da wären auch die Leerstände in unserem Viertel durchzuzählen.

 

Sonntag 5. Feb. 2023 – 8:00 – WoZi – Kirchenglocken, VT, Bach im Radio

Netter Nachbarschaftsbesuch gestern bei einer Freundin von Elisabeth, die an der Flutmulde wohnt. Sie ist in der Johannisstraße aufgewachsen und kann sich noch gut an die bauliche Situation dort in den 50er-Jahren erinnern. Zwischen dem Haus ihrer Familie und der Klostermauer waren die Gärten und Obstwiesen des Gemüseschwaigers Martin Schmid von der Nikolastraße 20, der in ihrem Haus auch ein kleines Verkaufsgeschäft hatte. Gegenüber gab es noch die Bäckerei Obernhuber mit einem Backhaus dahinter, nebenan war die Maschinenfabrik Haberstroh, an der Straße noch weitere zwei Kramerläden, und an der Ecke Nikolastraße war eine frühe Form eines Supermarkts mit einem größeren Angebot. Später lösten sich an dem Standort Videotheken und andere Geschäfte des Sonderbedarfs wie etwa ein Laden für Heimsaunen ab.

Gleich daneben mit dem Haindlgarten eine beliebte Gaststätte, dahinter befand sich der große Betriebshof des Reiseunternehmers Sauer, wo die Busse der Firma untergebracht waren. Gegenüber – hinter dem Nepomuk-Standbild – eine schöne Villa in einem großen, parkähnlichen Garten mit großen Kastanien. Dies mußte alles in den 80er Jahren einem großen Wohnungsbau-Projekt weichen.

Auf dem Heimweg sehen wir: In der ehemaligen Stethaimer-Apotheke ist nun eine Substitutionsstation mit Regensburger Adresse eingezogen. Man merkt nicht viel davon. Eine kleine Notiz warnt vor gefährlichen unkontrollierten Ersatz-mitteln. Die Nachbarn berichteten, dass manchmal eine Gruppe von „Kunden“ dort vor der Türe stehen.

 

Mittwoch 1. Feb. 2023 – 9:00 – WoZi – Nachrichten BRklassik, VT

Auf der Tagesordnung des Bausenats am 10. Februar steht nun: 4. Soziale Stadt Nikola – Evaluation 2024; Zusammensetzung Vergabegremium. Das "2024" im Titel besagt, dass mit einem längeren Prozess und mit einem Ergebnis nicht vor 2024 zu rechnen ist. Man kann nun gespannt sein, ob die Arbeitsgruppen der Sozialen Stadt in diesem Auswahlverfahren mit einbezogen werden.

 

Sonntag 22.Jan.2023 – 10:50 – WoZi – Kirchenglocken, VT, Küchengeklapper

Schon wieder ist ein großer Artikel von Gerhard Matzig zum Thema Transformation der Städte im SZ-Feuilleton, nachdem nun eine Kasseler Studie dazu in der Diskussion steht, die besagt, dass – auch pandemiebedingt – einige Bereiche in den Innenstädten im Raumbedarf zurückgegangen sind: stationärer Einzelhandel (14 Prozent), Gemeindehäuser und Kirchen (12 Prozent), Kauf- und Warenhäuser (13 Prozent) sowie Tankstellen (30 Prozent). Die „obsolete“ (aus der Zeit gefallene) Stadt schreie nach einer neuen Gründerzeit. Denn der Schwund bei den Flä-chen bedeute auch neue Freiräume, und hier sehe die von der Bosch-Stiftung ermöglichte Studie über „Raumpotentiale für eine gemeinwohlorientierte, klimagerechte und koproduktive Stadtentwicklungspraxis in wachsenden Großstädten“, die im März abgeschlossen werde, die angestammten Typologien und Raummuster unter Druck:

Es geht um Raum für bezahlbare Wohnungen, Grünzonen, soziale Infrastruktur und Flächen für eine nicht autogerechte, sondern menschengerechte Mobilität.“ (Gerhard Matzig, SZ 21.1.23)

Das klingt alles sehr verheißungsvoll, aber wenn das ein Stadtrat nicht als gemeinsames Ziel erkennt und auch durchzusetzen bereit ist, bleibt's eben bei den angestammten Verfahrensweisen, wie wir das in den über 20 Jahren der Sozialen Stadt Nikola erleben durften. Frustrierend, mit einem Anteil von 25 Prozent grünen Stadträt*Innen. Im Nikolaviertel waren das bei den letzten Stadtrats-Wahlen 2020 knapp 30 Prozent, bei den Bundestagswahlen 2021 allerdings nur knapp 15 Prozent.

 

Freitag 13.Jan.2023 – 15:10 – WoZi – V, Regen, Pfeifen des Winds, Baustellengeräusche

Das Thema Wohnen gerät nun wieder stärker ins Blickfeld der öffentlichen Diskussionen. In der SZ hat heute nach einem Hilferuf des Deutschen Mieterbunds in einem Feuilleton-Leitartikel Gerhard Matzig dazu angeregt, über Dichte und Maßstab neu nachzudenken:

„Die postpandemische Stadt, die als Produkt der Digitalisierung zur Telepolis wird, kann zugleich die angestammten, allmählich verödeten Zentren für das Wohnen zurückerobern. Es wird weniger Parkplätze geben müssen, weniger Kaufhäuser, weniger Straßenraum, weniger Büroburgen. Unsere Städte müssen zugleich dichter besiedelte und grünere, menschenfreundlichere Städte sein...“ (SZ 13.1.2023)

Im Nikolaviertel geht diese Verdichtung und Gentrifizierung schleichend, ohne dass sie grundsätzlich thematisiert wird. Das hat zwar Willi Forster schon vor zehn Jahren in einem Positionspapier der AG1 angemahnt („Bäume weichen neuen Häusern“ LZ 27.6.2013), das er dem damaligen OB Hans Rampf vorlegte, aber ohne Erfolg. Baudirektor Johannes Doll hatte „durchaus Verständnis dafür“, allerdings könne man auch nicht auf den Wohnbau verzichten. So ging also die Versiegelung weiter, die Resolution der AG1 verschwand in der Schublade. Die Empfehlungen der VU interessierten und interessieren niemanden. So wie das wohl auch mit den Resolutionen des STEP2040-Prozesses passieren wird. Sobald Eigentumsrechte betroffen sind, hat die Stadt die schlechteren Karten und wird auch ein Gemeinwohlinteresse nicht juristisch ausreizen. 

 

Sonntag 8.Jan.2023 – 13:31 – WoZi – V, BR2-Feature über Liverpool und die Beatles

Nach einer vormittäglichen TV-Talk-Sendung mit dem amerikanischen Moralphilosophen Michael Sandel, Mitbegründer der kommunitaristischen Strömung in der Sozialphilosophie, der sagt, dass das Gemeinwohl bedroht sei im Zuge der zunehmenden Individualisierung, was jetzt in unserem Viertel mit der Bebauungspraxis der letzten Jahrzehnte eine Entsprechung findet. Die gesellschaftliche Vereinzelung werde auch städteplanerisch befördert, weil es keine klassengemischten öffentlichen Räume mehr gibt, was den getrennten Lebensführungen entgegenwirken könnten. Jede*r ist ein Einzelkämpfer, wie Sandel anmerkte. Und dies wird auch durch die Ordnung des Eigentums noch zementiert, weshalb es möglich ist, noch die letzte übriggebliebene Grünfläche ertragsträchtig zu überbauen. Die Idee des Gemeinsinns sei sehr schwierig herzustellen, meinte Sandel, besonders wenn kein echtes Zusammenleben mehr stattfindet, weil dafür keine zivilgesellschaftliche Infrastruktur mehr bereitgestellt wird. Das hätten wir dem Markt übertragen. Und für die Stadtplanung sind individualisierte Verbraucher leichter zu handhaben als Menschen, die sich als Teile einer Gemeinschaft sehen und daraus auch noch Ansprüche ableiten. Für eine in den letzten Jahrzehnten um 20 Prozent gewachsene Einwohnerschaft wurde – trotz vorhandener staatlicher Unterstützung über das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt und entsprechender Empfehlungen – keine Maßnahme für eine Erweiterung dieser gemeinwohlorientierten Infrastruktur durchgeführt. Da gab es zwar neu den Pocketpark an der Römervilla und das AWO-Mehrgenerationenhaus, ansonsten aber nur Oberflächenkosmetik bestehender Straßen und Plätze. Der Stadtrat stand in seiner Orientierung auf die unmittelbar anstehenden und kurzfristig zu lösenden Probleme ohne Leitbild und entsprechend besorgte Verwaltung auf verlorenem Posten, und da konnte auch eine gewachsener grüner Anteil in den Gremien nicht helfen. Insbesondere wenn ein Parteiengeschacher dazu führen konnte, dass am Ende die bei den Wahlen als stärkste Partei hervorgegangene Formation aufgrund fraktioneller Bündnisse dann doch keine Mehrheiten mehr hatte. Aber auch die Lokalpresse trug nicht zur öffentlichen Meinungsbildung bei. Also lief alles, wie es eben lief, was es für die Bauträger und Investoren einfacher machte, ihre Projekte durchzuziehen. 

 

 

Dienstag 3. Jan. 2023 – 14:56 – WoZi – Elias übt am „Silent Piano“, Metronom, V,T 

Hänge sehr in der Luft, wie ich nun weiter verfahren soll. Soll ich auf Prof. Otto zugehen, soll ich die Dinge nun einfach ruhen lassen, bis neue Impulse kommen, sei es durch die Evaluation, sei es im AK Stadtentwicklung oder durch meine ganz privaten Kontakte. Ich empfinde ja diese Leerstelle mit den neu Hinzugezogenen in den neuen Anlagen seit dem Jahr 2000, zu denen ich meine Aufzeichnungen noch ein wenig präzisieren konnte: knapp 1100 Wohneinheiten in 30 Objekten, was rund 2000 Einwohner entspricht, von denen wir nichts wissen, außer dass sie gut genug gestellt sind, um sich diese Wohnungen leisten zu können und dass sie zusätzlichen Verkehr verursachen. Da sind fast alle Milieus möglich, und genau dafür wäre nun eine Sozialraumanalyse sehr interessant. Von den zehn „Sinus-Milieus“ sind da wohl bis auf das „prekäre Milieu“ alle anderen möglich, das „konservativ gehobene Milieu“ wird auch im geringerem Umfang vertreten sein, ebenso wie das „expeditive Milieu“ der „ambitionierten kreativen Bohème“, weil dafür die Wohnungszuschnitte nicht so geeignet sein werden. Ansonsten: „Konsum-Hedonistisches, postmaterielles, neo-ökologisches, traditionelles, nostalgisch-bürgerliches Milieu“, auch das „Milieu der Performer“ und die „Adaptiv-Pragmatische Mitte“ – alles möglich.

 

Samstag 24.Dez. 2022 – 9:00 – WoZi – Elisabeth zitiert aus der LZ, T, V, Glockenschlag 

Nun ist kürzlich der Philosoph Dieter Henrich gestorben, den ich in den 80er Jahren noch an der Universität München hören konnte. 95 ist aber auch ein gesegnetes Alter, und er hat akademisch alles erreicht, was man in der Szene weltweit erreichen kann. Auch er – Doyen der Subjektphilosophie – wollte eine „kollektive Subjektivität“ im Individuum verankert wissen, als ich ihn 2009 danach fragte. Ein gewichtiges Wort. Mir lagen immer schon Kollektive am Herzen: Wir sind Planet Erde, sind Teil dieses Großsubjekts und realisieren in der Kommunikation darüber so etwas wie eine kollektive Subjektivität. Darüber gibt es einen öffentlichen Diskurs. Klimawandel, Artensterben, wirtschaftliche Ungleichgewichte, die wichtigen Fragen sind jetzt globaler Natur und können nur global gelöst werden. Ob nun Öffentlichkeit mit „kollektiver Subjektivität“ gleichzusetzen ist, wäre zu überprüfen; kleinere „Großsubjekte“ bieten sich dafür an: Nationen, Völker, Regionen, Städte, aber auch schon Ausschnitte davon wie etwa Stadtteile, was mich eben seit Jahren umgetrieben und zur Auseinandersetzung mit dem Nikolaviertel, dort wo wir wohnen, motiviert hat.

 

Lange Zeit war ich eingenommen von dem Gedanken, dass es kollektive Wesenheiten gebe, dass etwa eine Stadt eine Art „Individuum“ sein könnte, mit einer Identität, die über die Kommunikation darüber generiert wird. Und ein Fraktal daraus – ein Stadtviertel – hätte dieselben Qualitäten: eine Stadtviertel-Identität, die in der Kommunikation über die eigenen Belange entsteht, ebenso wie auch dadurch, was „von außen“ über das Viertel berichtet und festgestellt wird. Es scheinen dies aber nur meine Projektionen zu sein, mit denen ich das Nikolaviertel überfrachtet habe. Die Stadtviertel in Landshut sind nur ansatzweise im Blick ihrer Bewohner und Bestandteil ihrer jeweiligen Identität, was vielleicht gar nicht so problematisch sein muss, weil eine zu starke Fixierung auf „das Eigene“ nur weitere Konsequenzen heraufbeschwört, beispielsweise den Identitätswahn des Nationalismus, um nur eine im fatalen Aufschwung befindliche Geisteshaltung zu nennen.

Doch was passiert nun wirklich in diesem in starker Transformation befindlichen Stadtteil Nikola? Hier geht nicht nur der Blick auf sich als Viertel verloren, weil die Alteingesessenen wegsterben; in der zunehmenden Vereinzelung der modernen Gesellschaft ist das Verhältnis zum Umfeld, zur Nachbarschaft offenbar nicht mehr relevant. Das Internet und die sozialen Medien sind zu den Plattformen der Öffentlichkeit geworden. Die 3000 neuen Einwohner, die in den letzten 20 Jahren im Nikolaviertel zugezogen sind und zumeist in den neugebauten Objekten wohnen, – bemerken wir etwas von ihnen, außer dass der Verkehr zugenommen hat? Man hört von hoher Fluktuation in den teuren Wohnanlagen. Aber nichts von neuen sozialen oder kulturellen Aktivitäten oder von einer Blutauffrischung bei den etablierten Einrichtungen, Pfarreien, Vereinen. Gefragt sind heute eher „Events“. 

Andererseits ist ein Stadtviertel auch in der städtischen Planung kein relevanter Faktor. Als ich Frau Geiner, die Leiterin der Landshuter Stadtentwicklung bei einem STEP2040-Infostand darauf ansprach, verneinte sie eine solche Möglichkeit. Ein Stadtviertel sei kein Akteur, auch wenn sich eindeutig eine besondere Belastung oder ein Bedarf feststellen läßt. Das sei im Flächennutzungsplan nicht abbildbar. Eine Verstärkung des Problembewußtseins ist also nur über Stadtrats-Wahlen zu erreichen - wenn sich die lokalen Stadträte dann auch kümmern.

 

 

Samstag 17.12.2022 – 10:52 – WoZi – T, V, Elisabeth kommentiert Tageszeitungsartikel

Die neue Öffentlichkeit ist eine Nicht-Öffentlichkeit. Die Leute lesen keine Zeitung mehr, treffen niemanden mehr auf der Straße und in Geschäften, die Wirtshäuser schließen, die öffentlichen Räume werden privatisiert und die Kommunikation reduziert sich auf die Meinungsblasen auf den Plattformen. Nachbarschaft spielt da keine Rolle mehr, das Viertel noch weniger. „Superdiversity“ ist so ein neuer Begriff dazu. Was ist dann noch „Gesellschaft“? Es gibt dazu immer mehr dystopische Romane, etwa Sibylle Bergs Grusel-Titel, wie zuletzt ihr RCE. So etwas wie gebietsbezogene Identität ist dann nur noch eine hauchdünne Schicht im komplexen Identitäts-Konstrukt des Individuums. Es setzt sich dann zusammen aus Wohnung, Arbeitsplatz, Einkaufszentrum, Tankstelle, Jogging-Terrain und bevorzugtes Innenstadt-Café. Wobei dann die Tankstelle und das Einkaufszentrum auch bald wegfallen werden, wenn man das E-Auto in der heimischen Tiefgarage laden kann und die Lebensmittel über den Lieferdienst an die Wohnungstür gebracht werden. Und hier noch ein gutes Zitat aus „RCE“:

 

Es gab keine Massen, die sich auf irgendwas einigen konnten. Seit Generationen hatten die KleinbürgerInnen den Einzelkampf verinnerlicht, waren in immer kleinere Einheiten der Zugehörigkeit zerlegt worden, jeder fühlte sich benachteiligt, jeder hatte das Gefühl, zu kurz gekommen und von einer anderen Splittergruppe um etwas betrogen worden zu sein.“ (S. 43)

Wie und mit welchem Anspruch ließen sich also die rund 3000 NeubürgerInnen im Stadtteil erreichen? Schon 2009/10 – bei der „Aktivierenden Bürgerbefragung“ mit einem Anschreiben der Stadt an 1352 Stichproben-Personen im Viertel gab es nur einen Rücklauf von 20,7 Prozent, weshalb man damals die Untersuchungs-Ergebnisse wg. zu geringer Repräsentativität beiseite legte. Es ist aber trotzdem wert, sich diese Untersuchung nochmals genauer anzusehen: http://nikolaviertel.de/links-kontakt/downloads/

 

 

Montag 12.12.2022 – 7:47 – WoZi – T, V, BRklassik: Weihnachtslied auf Klavier

Am Samstag war ich also nochmal am Ländtor. Wieder war Frau Geiner am Infostand der Stadt zum Stadtentwicklungsprozess und ich konnte mit ihr ins Gespräch kommen. Sie stellte mir auch Frau Grünwald vor, die Nachfolgerin von Fr. Oberpriller und nun zuständig für Sanierungsgebiete und auch die Soziale Stadt Nikola. Ich habe einige unserer Kritikpunkte anklingen lassen (Verdichtung, Verkehrsprobleme, Sturmvilla, Karlschwaige), ohne zu sehr auf Details einzugehen. Ich hatte den Eindruck, man sei gesprächsbereit. Und man ist durchaus beeindruckt z.B. von Willis 100-Bäume-Programm. Die Evaluation wird im Moment einigen geeigneten Büros angeboten, die Rückmeldungen stünden noch aus, aus denen dann die Auswahl getroffen werde. Fr. Geiner verwies darauf, dass auch dann öffentliche Veranstaltungen stattfinden würden mit der Möglichkeit von weiteren Äußerungen. Die „Ergänzenden VU-Untersuchungen“ von 2003 sind Fr. Grünwald bekannt und sie sieht die Notwendigkeit einer „Fortschreibung“. Eine „Sozialraumanalyse“ gibt es für Landshut nicht und ist auch in Bälde nicht zu erwarten. Ich kann hier nur auf das Aachener Beispiel verweisen, an dem auch Prof. Marius Otto mitgewirkt hat, der vor kurzen neu an der HAW Landshut eingeführt wurde (Fachbereich Sozialarbeit):

https://www.aachen.de/DE/stadt_buerger/gesellschaft_soziales/sozialentwicklung/sozialentwicklungsplan_neu/sozial_ep_2020/index.html

Im Anschluss traf ich in einem Café in der Oberen Altstadt auch noch eine befreundete Familie, die auch mal einige Jahre in der Hanke-Anlage in der Nähe des AWO-Mehrgenerationenhauses gewohnt hat. Sie sind von dort wieder weggezogen, weil sie was Attraktives noch näher an der Altstadt gefunden haben und sie auch ihre Wohnung gut verkaufen konnten. Es habe ihnen damals sehr gut gefallen, es gebe aber dort eine hohe Fluktuation, außerdem seien die Wohnungen zwar schön geschnitten, aber nicht familiengerecht ausgelegt. Da gebe es in einer großen 3-Zi-Wohnung schon ein kleines Kinderzimmer, wenn aber ein weiteres Kind komme, sei die Wohnung schon nicht mehr dafür geeignet. 

 

Sonntag 13.11.2022 - 9:25 – WoZi – T, V, Küchenarbeiten

Die Neubauten seit 2000 – ca 30 Projekte über das ganze Viertel verteilt – weisen rund 1100 Wohnungen auf, bei einem Belegungsschnitt von 1,9 (wie im Durchschnitt des Viertels wie auch der Gesamtstadt) wären das 2100 Einwohner, und das ist auch annähernd die Größenordnung des Anstiegs zwischen 2000 bis 2020. Was durch diese neue Bebauung aber im Wohnumfeld geleistet wurde, ist eher erbärmlich: in den allermeisten Fällen nichts. Der Raum der Stadt wurde von den Grundstücksbesitzern und Investoren als Profitmaximierungsplattform genutzt, ganz egal, was da als Leitlinie in den VU gestanden hat.

17:20 – WoZi – T, V, Geschirrgeklapper, Vorbereitungen fürs Abendessen

Als ich heute das Viertel durchstreifte, kam ich mit einem jüngeren Mann im Radleroutfit ins Gespräch. Ein Franke, den die Arbeit bei einem KFZ-Zulieferer in Vilsbiburg nach Landshut verschlagen hat. Er hat sich vor drei Jahren in dem neuen Komplex auf dem ehemaligen Kran-Maier-Gelände eingemietet, schätzt die stadtnahe Lage und den Freizeitwert der Flutmulde, wundert sich aber über den starken Verkehr in der Renatastraße, die doch eine Sackgasse sei. Jeder fahre mit dem Auto und beklage sich dann über fehlende Parkplätze in den Straßen. In seinem Block seien die Bewohner alle gut verdienend, viele bei BMW, da gebe es kaum Kinder – vier bei insgesamt fast 60 Parteien. Eine einzelne verschämte Schaukel auf dem schmalen Stück „Freigelände“ als Spielangebot ist alles andere als eine Motivation. Als „Nikolaner“ fühle er sich nicht, aber auch nicht als Landshuter. Das kulturelle Angebot nehme er schon manchmal wahr, aber soviel sei das nun auch wieder nicht. Insgesamt sei er aber zufrieden, und er fahre ja auch gerne in die Berge, die auch nicht so weit weg seien. Ich habe ihm für ein näheres Kennenlernen des Viertels die Website anempfohlen.

 

Donnerstag 9.11.2022 - 7:57 – WoZi – T, V, BRklassik: Filmmusik

Wie könnte mittels Kunst die Erforschung des Viertels unterstützt werden? In der aktuellen Kunst gibt es eine Fachrichtung „künstlerische Forschung“, in der mit künstlerischen Medien die wissenschaftliche Forschung von Phänomenen gegengebürstet wird, um weitere Erkenntnisse zu ermöglichen. Damit wäre in Sachen Nikolaviertel beispielsweise weiteres Wissen zu erlangen, obwohl ich jetzt nicht sagen kann, was da möglich wäre für ein breiteres Verständnis des Viertels als soziales Kollektiv.

Eine systematische Erforschung des Viertels gibt es ja gar nicht. Man könnte allenfalls die von Schramm im Anschluß an seine Tätigkeit als Quartiersmanager betriebenen Ergänzenden Untersuchungen von 2003 anführen. Eine spezifische, auf das Nikolaviertel bezogene Sozialraumforschung beispielsweise könnte für die Planung der Sozialarbeit eine Rolle spielen und müßte wohl von einer Sozialwissenschaft geleistet werden. Dafür gab es sicherlich zu Zeiten der VU-Erstellung eine größere Dringlichkeit; das Viertel hat sich in den letzten 20 Jahren sehr stark verändert und ist vom Problemviertel zum bevorzugten Wohngebiet geworden.

Was machen diese zusätzlich Zugezogenen? In all den vielen neugebauten Wohnungen leben wohl bessergestellte Parteien; sie müssen sich diese Wohnungen ja erst leisten können. Wie haben sie sich ins soziale und kulturelle Leben im Viertel integriert? Was hat sich im Profil des Viertels verändert. Insbesondere bei den Besuchern der Gastgeb-Ausstellungen in diesem Früjahr bin ich mit ein paar Leuten ins Gespräch gekommen, die neu hinzugezogen waren. Eher akademisches Niveau, würde ich sagen. Von Anfang 2010 bis 2020 sind immerhin rund 2300 Einwohner hinzugekommen. Das ist ein Anstieg von 24,5 %!

 

Freitag 4.11.2022 - 8:31 – WoZi – T, V, BRklassik: Cellosonate

Gestern hatten wir wieder unser AG1/3-Treffen. Sowohl Willi Forster wie auch Uli Theising schicken wie gewünscht ihre vorbereiteten Papiere an Frau Geiner zur Verwendung für die Evaluations-Ausschreibung. Gleichzeitig wird Christiane Vogel in einer Rundmail an alle Nikola-Adressen fragen, ob noch Interesse an einem Nikolafest im kommenden Jahr besteht. Da war ja nun eine sehr lange Co-rona-Pause. Sie stellte fest, dass sich viele Einrichtungen im Generationen-Umbruch befinden. Doch angesichts des Umgangs der QB-Leitung mit der „Bürgerbeteiligung“ plädierte sie eher für eine Einstellung der Aktivitäten. Auch Uli zeigte sich sehr frustriert ob der blockierenden Haltung gegenüber seines Infotafel-Projekts an der Karlschwaige. Willi wird seine Aktionen fortsetzen, obwohl er in seinen Projekten (100-Bäume-Programm) immer wieder Rückschläge einstecken muß. Als mögliches nächstes Projekt wird eine Besichtigung der Sommer-Maschinenhalle in der neuen Nutzung vorgeschlagen. Uli nimmt Kontakt auf. Insgesamt muß man nun den weiteren Fortgang der Evaluation abwarten; ein Ergebnis ist vielleicht in einem Jahr zu erwarten.

 

Mittwoch 2.11.2022 - 8:33 – WoZi – T, V, BRklassik: Klaviermusik

 

Bin jetzt gesundheitlich halbwgs wieder hergestellt. Komme aber nicht mehr so viel unter die Leute, weshalb ich auch nichts mehr erfahre, - außer dem, was in der Zeitung steht. So etwa die Erinnerungen von Dr. Klaus Timmer an seine Kindheit und die Aktivitäten seines Vaters, der den ersten SB-Markt Landshuts in der Pa-piererstraße mit begründet hatte, wo später diverse Supermärkte ihren Standort fanden, zuletzt REWE. Mit dabei war ein Herr Mast, der auch an anderen Stellen im Viertel Märkte eröffnete, z. B. In der Äußeren Regensburger Straße, woran sich Elisabeth noch sehr gut erinnern kann, denn das war – als Bewohnerin am Piflaser Weg – ihr wichtiger Nahversorger, bevor das Isar-Center gebaut wurde. Klaus Timmers Eltern waren nach dem Krieg nach Landshut gezogen und hatten ebenfalls im Piflaser Weg einen provisorischen Unterschlupf gefunden.

Bei einem Gang in die Stadt haben wir vorgestern übrigens eine alte Klassenkameradin von Elisabeth getroffen, Patricia, die damals in der Gegend der Zeiss-Straße wohnte. Der Schulsprengel ging ja über das Nikolaviertel hinaus und umfaßte Teile des Industriegeländes wie auch von Piflas. Sie lebt jetzt seit längerem in Furth bei Landshut und hatte ähnliche Erfahrungen mit den Schulen wie Elisabeth: die strenge katholische Tour in Seligenthal und die viel besseren Noten dann in der 9. Klasse in der Nikolaschule.

Beim Gang zum Friedhof ist uns aufgefallen, dass man nun bereits mit dem Abriß der alten GeWoGe-Wohnhäuser an der Weißenbergerstraße begonnen hat, die Verbindung vom Weißenbergersteg an der Kleinen Isar zur Flutmulde. Drei kleinere Mehrfamilienhäuser aus den 20er Jahren stehen da, zum größten Teil entmietet; eine bescheidene Anlage – jedoch in guter Lage am äußersten Ostende des Viertels. Was dort gemacht wird? Es wird sich wohl in die Bebauung der Umgebung einfügen. Aber Genaueres wissen wir nicht. Wollte die GeWoGe nicht auch einen Verkauf tätigen, wie bei der Jahreshauptversammlung verlautete?

Wie zu erfahren war, wird die Evaluation des Prozesses Soziale Stadt Nikola nun öffentlich ausgeschrieben. Das hat Fr. Geiner in der letzten Quartiersbeiratsitzung angekündigt und dazu auch um eine Stellungnahme der AGs der Sozialen Stadt gebeten. Dafür treffen wir uns nun in den nächsten Tagen.


17:43 – WoZi – T, V

Heute gab's netten Besuch: ein Stammtisch-Kollege war da und erzählte mir von seinen aktuellen Viertel-Identitäts-Erkenntnissen. Er ist ja im Niedermeier-Viertel aufgewachsen und hat immer noch eine gute Verbindung mit einigen Bekannten aus der damaligen Nachbarschaft. So hatte sich diese Runde für ein weiteres Treffen im früheren „Block“ getroffen, was dann zu einem langen und sehr unterhaltsamen Gespräch über die alten Zeiten hier vor Ort geriet. Und da ergab es sich, dass sie auch noch eine alte Frau erkannte, die schon seit 50 Jahren dort wohnt und so dem Treffen ihr Siegel der Authentizität aufdrückte. In diesem Gespräch wurde klar: es gibt so etwas wie Stadtviertel-Identität, was auch durch ein paar jüngere Passantinnen bestätigt wurde, die auch dort wohnen und mit denen sie ebenfalls ins Gespräch kamen. Das Dort-wohnen ist Teil ihrer Identität und die Nachbarschaft ein Signum ihres Selbstverständnisses.

Später – als ich dann mit meiner Tochter und dem Enkelkind einen kleinen Spaziergang zum Piflaser Milchbauern machte, traf ich dort zufällig einen weiteren Stammtisch-Kollegen, der mit seiner Enkelin in gleicher Absicht dorthin gekommen war. Schön, sich en passant so zu treffen, ein paar Worte zu wechseln, die dringlichsten Neuigkeiten auszutauschen und sich so der gegenteiligen Anteilnahme zu versichern.

 

Montag 17.10.2022 – 6:45 – WoZi – BRkl: Gedudel,T, V

Gestern Atelier-Besuch bei Georg Forster in der Hans-Wertinger-Straße. Schöner Blick von dort auch über diese neue Wohnanlage – vor ca. zehn Jahren optimal energieeffizient gebaut – in Richtung Innenstadt. Bevorzugte Wohnlage für die betuchtere Mittelschicht. Auch einige Kinder hier. Es bestehen aber bei ihm auch nicht so viele Kontakte zu den Nachbarn. Georg fühlt sich recht wohl hier. Malt am liebsten eher exotische Motive – wenig zum Umfeld, nichts zum Viertel. Holt sich seine Inspirationen auf seinen Reisen. 

 

 

Mittwoch 12.10.2022 – 6:25 – Bibliothek – T, V

Die beiden Künstlerinnen unserer nächsten Ausstellung in der Neuen Galerie auf der Mühleninsel (zwischen Nikolaviertel und Altstadt gelegen), Monika Kapfer und Katharina Weishäupl aus München, beschäftigen sich aus Anlass des 30-jährigen Jubiläums der Galerie mit dem Raum der Ausstellung selbst und der Materialität des Ausstellungsmachens. Ein interessanter Ansatz, den ich gerne auch einmal auf unser Viertel als Raum anwenden würde. Das Viertel künstlerisch untersuchen und somit eine von den bisherigen Blicken unberührte Ebene einziehen, die eine neue Wahrnehmung eröffnet. Das könnte ein interessantes Projekt werden, ggf. zusammen mit noch weiteren Beteiligten, - braucht aber sicherlich noch einige Reifezeit.

Wie die LZ heute vermeldet, ist jetzt völlig unerwartet der 36-jährige Stadtrat der Jungen Wöhler, Christian Pollner aus der Karlstraße verstorben. Erst am Samstag hatte der Bäckermeister geheiratet. Tragisch! 

 

 

Montag 10.10.2022 – 9:34 – Wozi – Baustellenlärm, V, Ticken der Uhr

 

Wegen gesundheitlicher Probleme werden hier in den nächsten Wochen nur noch spärlich Eintragungen erfolgen, wofür ich um Verständnis bitte. Manchmal wird sich das auf Reaktionen auf Zeitungsartikel beschränken. So heute auf einen LZ-Bericht über die letzte Bauausschusssitzung hin, bei der die notwendige Überarbeitung der städtischen Satzung zur Anbringung von Photovoltaik-Anlagen (aufgrund der Erneuerung des entsprechenden Denkmalschutzgesetzes, wonach die bestehenden Einschränkungen gelockert werden sollen) diskutiert wurde. Als Reaktion auf die kriegsbedingte Gas-Mangellage wird nun von Hausbesitzern die Anbringung von PV-Anlagen häufiger in Erwägung gezogen, was die bisherige Denkmalschutz-Gesetzgebung wie auch unsere kommunale Gestaltungssatzung bei denkmalgeschützen Bauten aber noch verbieten. Da besteht natürlich eine große Sorge um die Dachlandschaft der historischen Innenstadt! Wenn wir aber an unserem Ende des Nikolaviertels in der Nähe des Alten Schlachthofs aus dem Fenster im 7. Stock schauen, so sehen wir rundum viele Dächer, aber nur sehr wenige und allenfalls kleinteilige PV-Anlagen. Da gibt's also noch viele Möglichkeiten.

 

 

Samstag 8.10.2022 - 8:43 – WoZi – BRkl: Orchestermusik, T, elektr. Zahnbürste aus dem Bad

 

Nur zwei Leserbriefe heute zur Nicht-Öffentlichkeit beim Sonderausschuss Stadtentwicklung. Wenn das schon der Sturm der Entrüstung war? Ich selbst habe aber auch keinen geschrieben, kann das aber nur zum Teil auf meine gesundheitlichen Probleme zurückführen. Es ist auch Resignation dabei, was auch für die Vorgänge im Viertel bis hin zur unmittelbaren Nachbarschaft gilt. Das Bemühen von OB und Verwaltungsspitze samt schwarzer SR-Mehrheit um einen „geschützten Gesprächsraum“ ist auch ein Mosaikstein dazu. 

 

Mitwoch 5.10.2022 - 17:15 – WoZi – BRkl: Yesterday, T, V Ticken, Glockenschlag

 

Heute ist ein kleiner Bericht über das AWO-Jubiläum in der Zeitung. Wahrscheinlich von der AWO selbst geschrieben. Hauptsache, alle mit Rang und Namen wurden auch namentlich genannt. Groß als Lokalaufmacher dafür von Uli Karg ein Resumee der ersten Sitzung des Sonderausschusses Stadtentwicklung vom letzten Dienstag, wobei hauptsächlich die Nicht-Öffentlichkeit der Sitzung thematisiert wurde. Ist auch seltsam, in einer so wichtigen Angelegenheit! Dafür hat man freimütig den Münchner Titel „STEP2040“ kopiert, leider ohne die dort wesentlichen Elemente der Bürgerbeteiligung mit zu übernehmen.

 

 

Dienstag 4.10.2022 - 9:42 – WoZi – BRkl: Klaviermusik, Elisabeth raschelt, V und Martinshörner, Glocke, Baustellenlärm, Hupen

 

Habe jetzt die Nikola-Website aktualisiert. Unsere Möglichkeit, Öffentlichkeit herzustellen. Die Selbstwahr-nehmung eines Kollektivs bedarf eines öffentlichen Raums, in dem es sich reflektieren kann. Das könnte die örtliche Zeitung sein mit Artikeln über das Viertel, auch Plakate, die Vorgänge im Viertel thematisieren, auch eine Chat-Gruppe in einem Internet Social Media Dienst. Auf diesen Foren bin ich allerdings nicht dabei; ich bewege mich lieber noch in analogen Foren wie Stammtischen und Versammlungen, obwohl diese immer seltener werden, insbe-sondere seit Corona. Wir sind in einem weiteren „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ begriffen, wie das Habermas 1962 bezogen auf die gesellschaftlichen Selbstverständigungsforen in Salons und den Zeitungen im 19. Jahrhundert thematisiert hat. Kürzlich hat er dazu eine Aktualisierung vorgelegt, in der auch die Veränderungen durch die „sozialen“ Medien Berücksichtigung finden.

 

Als ich 2008 bei der Bürgerbeteiligung im Rahmen der Neuauflage des Programms Soziale Stadt Nikola wieder einstieg, machte mich der damalige OB Hans Rampf mit Alois Pöschl bekannt, Seniorchef der Landshuter Schnupftabakfabrik, damals 91 Jahre alt. Der lud mich in sein Büro in der Schwestergasse zum Gespräch. Das war gegenüber des ehemaligen Kohlen-Hofer-Anwesens an der Stelle, wo die Gasse einen Bogen macht. In dem Anwesen hat auch meine Mutter in den 80er Jahren eine Zeitlang gewohnt. Meine Eindrücke von dem Gespräch am 24.2.2008 habe ich damals aufgezeichnet:

 

Alois Pöschl, 91, hat fast ein Jahrhundert in dieser Gasse gewohnt und alles rundherum mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Er kennt bzw. kannte alle, die in diesem Teil ders Viertels wichtig sind, aber er fühlt sich als Landshuter und in zweiter Linie vielleicht noch als „Schwestergaßler“ und weniger als „Nikolaviertler“. Dieser Begriff sei ja erst aufgekommen, als mit dem Sanierungsprojekt Soziale Stadt Nikola diese Gebietsdefinition verstärkt publiziert worden sei. Vorher sei man Angehöriger der Pfarrgemeinde Nikola gewesen, nach 1950 dann von St. Konrad, ein Bezug zu Seligenthal war wegen der Nähe schon immer da, aber seine Frau beispielsweise, die aus der Gegend der Papierer-straße Nähe Christuskirche stamme, sei nach Martin hin orientiert gewesen und hätte keinen Bezug zu Nikola empfunden.

Es bewegt sich also noch alles unterhalb der Schwelle zum Viertelbewußtsein. Das wird für die jetzt neu Hinzuziehenden anders sein, weil sie ja schon eine große Dichte vorfinden. Aber solange kein Austausch darüber geschieht, solange kein „Bild von Nikola“ veröffentlicht wird, solange existiert es nicht. (25.2.08)

 

Meine Aufzeichnungen von damals könnte ich fast alle 1:1 hier reinsetzen. Da hat sich nicht soviel geändert. Was habe ich mich damals abgestrampelt, bin im Urlaub nach Erkner bei Berlin ins Institut für Regional-forschung zu einem Workshop zum Thema „Raumpioniere in benachteiligten Vierteln" (es ging dort hauptsächlich um Berlin-Moabit und Wilmersdorf in Hamburg, das mittlerweile großflächig saniert wurde). Placemaking und local Governance waren die ganz neuen Schlagworte in den Ansätzen integrierter Stadtentwicklung. Es wurde nach Raumvisionen gerufen, nach sozialen Milieus gefragt, und bei uns wurde damals nur kräftig verdichtet, wo es nur ging: ehemaliges Roederstein-Gelände, Fröschl, Milchhof. Trotz aller Empfehlungen aus den VU.

 

 

Sonntag 2.10.2022 - 10:47 – WoZi – T, V, Elisabeth blättert in einem Reiseführer

 

Die ersten Rückmeldungen sind schon da. Helmut, Raimund und Uli. Und der Zähler, den ich auf der Seite gesetzt habe, steht schon bei 13. Er zählt aber auch meine eigenen Aufrufe mit. Ich habe vorhin bei Otto (Marius Otto, Zwischen lokaler Integration und regionaler Zugehörigkeit. Transnationale Sozialräume oberschlesienstämmiger Aussiedler in Nordrhein-Westfalen. Transcript Verlag Bielefeld 2015) weitergelesen. Identität und Raum. Identität eines Raums und die dadurch geprägte eigene individuelle Identität. Für letzteres sind beispielsweise von der persönlichen Geschichte geprägte Einflüsse bestimmend, - etwa weil man im Viertel aufgewachsen ist, in Nikola zur Schule ging, hier einmal länger gearbeitet hat, eine Tante hier wohnen hat, die man gerne besucht, etc. Aber auch – wie in Ottos Dissertation der Fall der schlesischen Übersiedler im Ruhrgebiet – die Identität einer Region, die man mit sich trägt, wenn man in eine andere Region übersiedelt. Das wird viele Menschen mit Migrationshintergrund in irgendeiner Weise betreffen, die ihre Heimat mit sich herumtragen, sie weiter für sich und ihren Familien- und Freundeskreis bewahren wollen und somit in ihren „Parallelwelten“ leben. Zu diesen Menschen habe wir „gewöhnlichen Nikolaner“ gar keinen Zugang. Wir sehen da etwa in der Äußeren Regensburger Straße in einer Nische ein türkisches Café, in das man aber nie hineingehen wird, weil man die intime ethnische Eigenheit nicht stören möchte. So gibt es im Viertel einige ethnische Nischen, die man aber im Normalfall ausblendet, weil man zu sehr in seinen eigenen Bezügen, in der eigenen Nische verstrickt ist.

 

Samstag 1.10.2022 - 12:07 – WoZi – T, V, Waschmaschine

 

Die konstituierende Sitzung des Sonderausschusses Stadtentwicklung des Stadtrats am vergangenen Dienstag hat offensichtlich keine besonderen Erkenntnisse gebracht. Es ging in erster Linie um den geplanten Ablauf des Prozesses, über den im Oktober-Penum noch der gesamte Stadtrat abstimmen soll. Bemerkenswert, dass dieser Ausschuss nichtöffentlich war, dass also auch die Presse nicht dabei war. Und ich habe den Eindruck, dass dies die LZ auch nicht sonderlich interessiert, sonst hätten sie auch schon im Vorfeld breiter über Sinn und Zweck dieses Prozesses berichtet. Ich habe schon vor einem Jahr Stadtchef Uli Karg darauf hingewiesen. Vergeblich. Schade, denn Öffentlichkeit wäre ganz wichtig für diesen Prozess. Es soll dann im Frühjahr schon mal eine große Auftaktveranstaltung stattfinden. 

 

 

 

Mittwoch 28.9.2022 – 8:34 – WoZi – Bay. Rundfunk, Klassikprogramm (BRkl): Filmmusik, T, Elisabeth telefoniert am Gang

 

Bei Freunden, die früher ebenfalls ein paar Jahre in der Stethaimerstraße gewohnt haben und das Umfeld dort als Kinder mit vielen Spielkameraden rundum sehr genossen hatten – was sie dann am Birkenberg vermißten – erfuhren wir von dem Obstgroßhandel Killermann in der Lebühlstraße, der dort seinen Betrieb vor drei Jahren eingestellt hatte und in das Gewerbegebiet Münchnerau ausgesiedelt war. Der Senior, mit dem unser Bekannter jeden Montag am Stammtisch zusammensitze, wohne aber noch immer im Obergeschoß am alten Standort und habe nicht vor auszuziehen. Der sei jetzt 87 und noch gut bei Kräften. Aber irgendwann wird das ein interessanter Bauplatz für eine größere Wohnbebauung. 

 

Sonntag 25.9.2022 - 6:57 – WoZi – T, BRkl: Serenade

 

Die 10-Jahres-Feier der AWO war eine schöne und einigermaßen gut besuchte Veranstaltung – vorwiegend Ältere. Zur Umrahmung spielten Ziggi Zerrath und eine Rumpfband der „Buffalo Stance“, als Beteiligte an der Sozialen Stadt waren wir mit Willi und mir gut vertreten, Ele war nicht da. Zweiter Bürgermeister Dr. Haslinger überbrachte die Grüße des OB und des Stadtrats plus Verwaltung. Geschäftsführer Buchta stellte die zu enthüllende Plastik der AWO-Gründerin und parlamentarischen Pionierin Marie Juchacz vor. Als ehemalige SPD-Stadträtinnen waren Hedi Pable und Ute Kubatschka da, die SPD-Stadträtin Patricia Steinberger ist ohnehin im Kreisvorstand der Landshuter AWO – also alles fest in SPD-Hand. Schade nur, dass es geregnet hat, weshalb man im großen Saal zusammenkommen mußte. Es reichte aber für die ca. 60 Personen, die da waren. Viele Ehrenamtliche aus dem Haus, die von der AWO-Stadtverbandsvorsitzenden Christa Faltermeier mit Blumen und Buchskranzln geehrt wurden. Das Viertel wurde nicht thematisiert.

 

Freitag 23.9.2022 - 9:30 – WoZi – BRkl: irgendwas, T, V

 

Gestern habe ich Mario Tamme in der Nikolabuchhandlung einen Besuch abgestattet und ihm auch vom Diavortrag in der Münchnerau erzählt. Auf meine vorsichtige Anfrage wg. einer denkbaren „Erzählcafé“-Idee in der Gastgeb hat er gleich entschieden abgewehrt. Keine Zeit. Dafür habe ich das Münchnerau-Buch von Christa Heiß mitgenommen. Sehr interessant! Eigentlich war ich wegen eines neuen Titels eines jungen italienischen Philosophen, Emanuele Coccia hingegangen, der eine philosophische Betrachtung des Wohnens herausgebracht hat. „Das Zuhause. Philosophie eines scheinbar vertrauten Ortes“. Die Bedeutung der Wohnung für den Menschen ist sicherlich noch nicht ausreichend gewürdigt worden. Hier ist dann das Viertel zwischen diesem Phänomen und der Stadt als nächste Größenordnung angesiedelt. Wie in der SZ-Rezension vom Montag bereits angemerkt wurde, läßt Coccia aber wichtige Ansätze zu diesem Thema unberücksichtigt, so etwa Martin Heideggers Ausführungen von 1951 in seinem Vortrag „Bauen Wohnen Denken“, wo er das Sein aus dem Wohnen ableitet – eine wesentliche Position der philosophischen Reflektion der Gegenwart.

 

Mittwoch 21.9.2022 - 8:27 – WoZi – BRkl: Barockmusik (Händel), T , Baustellenlärm

 

Nächste Woche soll nun der Sonderausschuss Masterplan des Stadtrats erstmals tagen. Wir als AG1/3 werden das aus der Ferne beobachten; die nächste Sitzung des Quartiersbeirats ist für uns wichtiger, die für 19. Okt. anberaumt ist: da wird das Vorhaben der Evaluation vorgestellt. Als wir uns (ich mit Uli und Willi) zuletzt getroffen haben, war die Rede davon, dass ich da auch mit reingehe. Ich will mich aber nicht übernehmen. Teilnehmende Beobachtung ist eine ständige Herausforderung. Jetzt kommen mir aber auch noch gesundheitliche Probleme dazwischen.

 

16:02 – WoZi – BRkl: Nachrichten, T , V

 

Immer wieder die Frage, was ich mit diesem Blog will. Das Anlesen von Ottos Dissertation von 2015 nötigt mir erneut eine Klärung ab. Er sieht das Phänomen Raum zwischen Geographie und politischer Dynamik. Wie kommt es zur Bildung von Räumen und wie werden diese dann symbolisch aufgeladen, fragt Marius Otto und „... wie können solche Symbolsysteme identitätsstiftend sein?“ (S 17) 

Landshut ist in seinen Teilräumen noch nicht systematisch untersucht worden. Die VU von 1996 hatte einen konkreten Anlass, und mein Blog hier ist der Versuch einer ganzheitlichen Abrundung. Der Blog ist ein Experiment mit offenem Ausgang, ein künstlerisches Forschen. Mich interessiert das Viertel als Sozialraum in seiner Heterogenität. Wie ich schon festgestellt habe: es hat kein Zentrum, keine „Identität“, keine besonderen Merkmale, die Gemeinsamkeit stiften könnten. Das Viertel ist im Sinne Ottos ein „Konstrukt“, dem die identitären Eigenschaften erst zugeeignet werden müssen. Dazu hat sicherlich der Prozess Soziale Stadt Nikola erheblich beigetragen. Dieser Prozess der symbolischen Aufladung sollte aber weitergehen, wenn die Integration der Einwohnerschaft zu einem verstärkten Miteinander angestrebt ist.

Wie ist Nikola als Raum konstruiert? Es ist ein stadtplanerisches Teilgebiet, das keinen Erfordernissen einer indigenen Raumentwicklung folgt, aber trotzdem im Nachhinein solche Aufgaben erfüllen sollte. Ich bin gespannt, was man da am Samstag beim 10-jährigen Jubiläum des AWO-Mehrgenerationenhauses in der Ludmillastraße dazu sagen wird.

 

Montag 19.9.2022 - 22:47 – WoZi – BRkl: Jazz, T

 

Heute lief den ganzen Tag der Fernseher: Begräbnis der Queen. Die Feierlichkeiten in der Westminster Abbey, der Zug zum Buckingham Palace, die Fahrt nach Windsor, die Trauerfeier in der Schlosskirche mit den Riten des nationalen Erbes. So überkommen die Monarchie in der Gegenwart ist – das brachten insbesondere die jüngeren befragten Passanten auf den Londoner Straßen zum Ausdruck – so wichtig ist sie für die nationale Identität der Briten. Die äußeren Formen, dies ging aus den Begleitkommentaren der Fernsehsendung hervor, stammen aus dem 19. Jahrhundert. Für Landshut könnte man die Landshuter Hochzeit als einen solchen identitätsstiftenden Ritus bezeichnen. Dies ist auch ein Relikt aus dem späten 19. Jahrhundert. Auch die Fronleichnamsprozession oder die Tänze der Schäffler zur Faschingszeit gehören dazu. Auch die Dulten. In Nikola fehlt uns so etwas. Das Bismarckplatzfest geht in diese Richtung, obwohl es sich inhaltlich nicht auf das Viertel bezieht, auch das Nikolafest, das sich speziell die Vernetzung der un-terschiedlichen Aktivitäten im Viertel zum Ziel gesetzt hat. Aber das Fest ist wiederum noch nicht so gut verankert. Und es ist auch die letzten drei Jahre ausgefallen, coronabedingt. 

 

Sonntag 18.9.2022 - 11:04 – WoZi – Windrauschen, T, V, mein Nießen

 

Viel passiert in der Verarbeitung dieses „Blogs“ nach der Frühstücks-Lektüre der „Phänomenologie“ in Form des Spiralbuchs, die mir nun mit Elias' Hilfe vorliegt. Wie weit soll ich die nun „öffentlich“ machen? Indem ich nun dies als PDF einigen Freunden und Weggefährten zugänglich mache? Oder soll ich sie als "Blog" auf die Website nikolaviertel.de bringen? Wie weit darf ich die persönlichen Inhalte veröffentlichen, mitsamt Namen, Bildern etc. Soll es so persönlich und privat werden? Wie weit ist es auch ein künstlerisches Projekt? Wie weit ein politisches?

 

23:37 – WoZi – TV1: ARD-Musikwettbewerb

Gegen Abend war ich dann doch noch in der Münchnerau, um mir dieses Format anzusehen: 75 Fotos vom Stadtteil aus den letzten 100 Jahren, als Dia-Projektion vorgeführt vom Sammler Hans Besl, und die Chronistin von Münchnerau, Christine Heiß, die vor kurzem eine Geschichte von Münchnerau vorgelegt hatte, war als Zeitzeugin und Erklärerin vor Ort dabei. Meine Erwartungen waren also hoch, dass da ein Gespräch zustande kommen würde über die Identität des Orts, der immer noch ein eigenständiger Ort ist, obwohl er schon 1972 eingemeindet wurde. Im Denken und Fühlen der alteingesessenen Familien mag dieses Empfinden immer noch vorhanden sein, dass sie sich als Münchnerauer sehen, aber das sind vielleicht 50 Familien. Man könnte das im Buch von Frau Heiß nachlesen, oder auch die Zahl der Gehöfte zählen, die auf einem frühen Luftbild des Orts zu sehen sind. Wer in den letzten 30, 40 Jahren zugezogen ist, wird das Münchnerauer-Sein nicht mehr so stark verinnerlicht haben. In den letzten 10 Jahren hat sich im übrigen die Einwohnerzahl nicht mehr wesentlich verändert, trotz des starken Zuzugs in die Gesamtstadt von rund 10 Prozent. Der Einwohnerstand blieb seither bei knapp 2000. Auch gibt es keine Schule mehr, in dem die örtliche Verwurzelung über den Heimatkunde-Unterricht vermittelt werden könnte; die Kinder gehen nun in die Carl-Orff-Schule in Landshut West, bzw. werden mit dem Bus dorthin verbracht. Was bleibt als Kitt? Die FFW, der Kriegerverein, der Fußballverein, das Aufstellen des Maibaums vor dem Grubingerwirt, die kleine Kirche. Es wäre zu prüfen, wie viele gemeinsame Ereignisse dörflichen Zusammenlebens es noch gibt. Der Dia-Abend in der Halle der Feuerwehr, zu dem etwa 80 Personen kamen, war auch einer davon, aber die Gäste haben dabei von Auloh mehr erfahren als vom eigenen Ort, weil der Vorführer sehr gerne immer wieder von sich erzählte und er eben in Auloh aufgewachsen ist. So kam auch kein Gespräch über das Viertel zustande.

Samstag 17.9.2022 - 15:45 – WoZi – CD: Dylan TellTale Signs

Diese Phänomenologie gilt es nun mit dem Sozialraum, mit den Planungsabbildungen, mit den steinernen Zeugnissen, den Pflanzen und Tieren, den künstlerischen Äußerungen, all dem Gesagten und Geschriebenen in Deckung zu bringen und dies zu kommunizieren.

 

Freitag 16.9.2022 - 13:37 – WoZi – TV: ARTE, Stadt, Land, Kunst, Elisabeth telefoniert am Gang

 

Gute Gespräche heute beim Parking Day in der Neustadt. Hab dort mit Uli Theising und Willi Forster den Stadtwerkstatt-Auftritt unserer AGs vorbesprochen. Willi hat angeregt, mit der GeWoGe direkt noch ein Gespräch über die Weiterentwicklung im Viertel einzufädeln. Denn da sind ein paar Grundstücke in petto, die zur Bebauung bzw. zum Verkauf anstehen. Und bei Willi geht’s natürlich auch um die Bäume. Mit Stadtrat Christoph Rabl habe ich über zukunftsweisende Verdichtungsmöglichkeiten geredet und mit einem jüngeren Passanten, einem Studenten der Sozialarbeit an der Landshuter Hochschule (Bereich Altenarbeit), über die grundsätzliche Bereitschaft der Hochschulleitung, mit Akteuren der Stadt zusammenzuarbeiten. Er hat mir da eine Professorin in der Sozialarbeit empfohlen, Prof. Liel, die auf soziale Ungleichheit und Wohnen spezialisiert sei.

 

23:45 – WoZi – ZDF: Aspekte: „Einzelne können etwas bewirken“ und „was hindert uns mehr zu tun?“

 

Bei Akademia.edu kam heute eine Dissertation, Wendelin Küpers Phänomenologie der Dienstleistungsqualität (1999), die nun möglicherweise mein Verständnis von Phänomenologie schärfen wird.

 

Die Phänomenologie“ wird dabei im weiteren nicht verstanden als ein monolithischer Block oder als Arsenal fundamentaler Thesen oder methodischer Denkgriffe. Phänomenologisches Denken wird erkennbar und versteht sich vielmehr als ein Stil und Denk-Bewegung, Als lebendige Geistesbewegung verkörpert sie, wie Waldenfels es beschreibt, eine flexible Seh- und Frageweise, die verschiedene Richtungen nimmt, sich ständig neu erprobt und sich nicht auf fertige Identitäten fixiert. In solcher „ontologischen Zweideutigkeit“ in der Anerkennung der Unbestimmtheit auch der eigenen Existenz als positives Moment. Sie fragt rückführend, als was oder wie, sich ein Phänomen von sich aus als etwas zeigt und wie dieses sich denken lä8t. Dies wird unter Bezugnahme auf die intentionalen Bezugsfelder der Erfahrung über offene Wahrnehmungsprozesse vollzogen.“ (S. 13)

 

Hier werden nun verschiedene Felder aufgemacht, die mich zwingen, Sachverhalte bzw. meinen Blick darauf zu präzisieren. 

 

Donnerstag 15.9.2022 - 14:45 – WoZi – V, T, Gerumpel von der Baustenlle, Hupen von fern

 

Mit Prof. Otto von der HAW Landshut habe ich Kontakt aufgenommen. Er hat gestern auf meine Mail geantwortet. Wie es aussieht, werden wir uns in ein paar Wochen einmal treffen. Bis dahin möchte ich seine Dissertation lesen und noch etwas mehr in das Konzept der Sozialraumanalyse einsteigen. Da läßt sich m.E. auch für unser Viertel was fruchtbar machen. Theoretisch beziehen sich die Autoren auf Lefèbvre und Löw. Mal sehen, was das alles für unser Viertel heißt.

 

Mittwoch 14.9.2022 - 8:19 – WoZi – T, BRklassik: Klavieretuden Chopin

 

Elisabeths Bekannte, die grad ums Eck an der Flutmulde wohnt und ein Mehrparteien-Mietshaus aus der Vorkriegszeit an der Johannisstraße besitzt, hat ihr von ihren Sorgen und Nöten erzählt. Es sei so schwierig, Handwerker zu finden. Im Haus (8 Parteien) gibt es ja ständig was zu tun, Mieter ziehen aus oder um, wie jetzt gerade die türkischstämmige Familie, die vom Erdgeschoß in den ersten Stock wollte. Dann muß was gerichtet werden, eine neue Küche, Böden, Elektrik. Und es braucht auch wieder gute Nachmieter, die zuverlässig zahlen, sich nicht mit den Nachbarn in die Haare kriegen, sorgsam mit der Wohnung umgehen. Die Lage sei ja nicht optimal: die Johannisstraße ist eine vielbefahrene Straße, Ringstraße im Konzept der Innenstadt-Umfahrung. Sehr laut, schwierig mit Parkplätzen. Auch überhaupt zu halten, um etwa Einkäufe ins Haus zu bringen oder jemanden abzuholen. Aber es sei ja ihr Elternhaus, bei dem es schwerfällt, sich davon zu trennen. Sie habe schon oft an einen Verkauf gedacht, wegen des ständigen Verdrusses.

 

9:49 – WoZi – Glockengeläut, Ticken des Weckers am Herd, BRklassik: Marschmusik

 

Christina, die sich auch immer sehr um Flüchtlinge aus Afghanistan gekümmert hatte und seit fünf Jahren einen jungen Mann bei sich wohnen ließ, erzählte mir bei unserem Treffen auch den vorläufig letzten Teil seiner Geschichte: er – nun eingebürgert und Deutscher! – war nun zu Besuch in seiner Heimat, um die Frau (es war eher ein ganz junges Mädchen) zu heiraten, die seine Familie für ihn ausgesucht hatte und die er dann auch mit nach Deutschland bringen wollte, um hier mit ihr einen eigenen Hausstand zu gründen. Er kannte seine Braut nicht, und sie kann auch kein Deutsch. Sie wird auch traditionsgemäß hier nicht arbeiten; sie wird zuhause sitzen, kochen, die Wäsche machen und auf die Kinder aufpassen, die wohl in die Welt gesetzt werden. Und per WhatsApp oder Skype mit ihrer Familie zuhause in Afghanistan kommunizieren. Von den 11.300 Einwohnern im Viertel zu Jahresbeginn 2020 waren 3.332 Ausländer, also knapp 30 Prozent, und da zählt also der junge Afghane gar nicht mit. Für Landshut insgesamt liegt das Verhältnis bei 20,5 Prozent. Nur im Industriegebiet ist der Anteil mit fast 35 Prozent noch höher. Das hat sich in der Gesamtstadt nun verstärkt mit rund 1000 Personen Zuzugs-Überschuß bei den Ausländern in den letzten Jahren, wo sich vor zehn Jahren Zu- und Fortzüge noch fast die Waage hielten. (Quelle: Statistischer Jahresbericht 2019)

 

18:17 – Martinshorn, Hupen, V auf regennassen Straßen, Klopfen von irgendwoher, Wasserabfluß

 

Die Meilingers haben uns heute besucht. Werner ist Architekt und war mal ein paar Jahre in der GeWoGe-Geschäftsführung, noch zu Giebls Zeiten, dem Vorgänger von Herrn Wimmer. Werner ist damals im Unfrieden ausgeschieden, weil er Planungsarbeiten in Rechnung gestellt hatte, die über seine Aufgaben in dem Gremium hinausgingen. Aber so kennt er nun eben den Laden. Wir sprachen über Verdichtung im Viertel, und was da noch möglich ist. Werner meint, dass mittelfristig am Kennedyplatz noch was Größeres möglich ist, ebenso in der Weißenbergerstraße, wo die kleineren GeWoGe-Mehrfamilienhäuser schon entmietet werden. Tolle Lage, viel Grün rundrum, sehr ruhig.

 

 

Dienstag 13.9.2022 - 8:31 – Bibliothek – V, Baustellenlärm, BRklassik: Harfenkonzert

 

Am Sonntag habe ich bei meinem Rundgang durch die Galerien bei Kunstverein auch den Fotosammler Hans Besl getroffen, den ich 2008 bei meiner ersten Ausstellung „Bilder von Nikola“ kennenlernte und der mir dafür einige seiner historischen Fotos zur Verfügung stellte. Er wird in Kürze zusammen mit der Münch-nerauer Autorin Christa Heiß einen Foto-Erinnerungsabend veranstalten, um die Vergangenheit dieses Viertels wieder lebendig zu machen. Das wäre auch ein Ansatz für das Erzählcafé Nikola. Vielleicht sollte ich ihn einfach anrufen. Das wäre ja sozusagen das Grundmodell für unsere Veranstaltung: Bilder und eine geschichtliche Erzählvorgabe. Wer könnte das bei uns liefern? Mario Tamme? Vielleicht auch keine Gesamtgeschichte, sondern einen Aspekt daraus, und den mit ein paar Fotos illustrieren.

 

Mir erscheint es wichtig, auch die Bemühungen um Identitätsfindungen in den anderen Stadtteilen zu beobachten. Das ist m.W. ohnehin nur in Achdorf und Berg über die Bücher von Dübell der Fall, wobei es in Achdorf auch diesen Bürgerverein gibt, der jetzt wieder sein Jahrestreffen am Achdorfer Kriegerdenkmal abgehalten hat, in Form eines Straßenfestes. Beide waren bis 1928 eigenständige Gemeinden. Wie auch die Münchnerau (und natürlich Frauenberg und Schönbrunn, die 1972 noch eingemeindet wurden).

Der jüdische Philosoph Martin Buber hat den Gedanken geprägt, dass erst in der intersubjektiven Begegnung das Subjekt entsteht. Das möchte ich auch in Bezug auf die Stadtviertel überprüfen. Ich bin ja in Achdorf geboren, wo ich aufwuchs und in den Kindergarten ging. Ab der Schulzeit lebten wir in der Altstadt und seit der Rückkehr nach Studium und Experimentierjahren seit nun 40 Jahren im Nikolaviertel. Zuerst an der Luitpoldstraße und seit 30 Jahren hier in der Jörg-Breu-Str. Elisabeth ist auch in Landshut geboren, ist am Piflaser Weg in einer GeWoGe-Anlage aufgewachsen, nicht weit von hier. Die Stadtteile als solche nehme ich erst seit Mitte der 90er-Jahre so richtig wahr, - seit dem Beginn der Sozialen Stadt Nikola. Und vertieft erst seit der zweiten Auflage ab 2007, als ich bereits begonnen hatte, mich in der Philosophie vertieft mit der Stadt zu beschäftigen. Identität der Stadt als quasi kollektives Wesen war meine Hypothese, die ich auch auf den Stadtteil übertragen wollte.

 

Letzte Woche war erstmals wieder eine "richtige" Jahreshauptversammlung der GeWoGe - nach zwei Jahren, in denen sie wegen Corona abgesagt werden mußte. Wir waren nicht dort. Ich habe eine Dame aus der Kunstszene, von der ich um ihre Mitgliedschaft weiß, nach ihrem Eindruck gefragt. Sie sagte, sie würde nicht mehr hingehen. Da sei alles auf Abwehr getrimmt, eine Beteiligung gar nicht gewünscht, und wenn jemand etwas sagen wolle, würde das gar nicht gehört werden. Traurig.

Montag 12.9.2022 - 9:47 – WoZi – V, Baustellenlärm, BRklassik: Mozart

 

Guter Besuch gestern in der Gastgeb. Und Markus war auch sehr angetan von der Erzählcafé-Idee. Man kann das wohl auf jeden Fall bis in den Frühsommer nächsten Jahres machen, dann orientiere er sich auf die Landshuter Hochzeit hin, die Ende Juni beginnt. Da wird ihm auch Josef Wiesmüller ein Türöffner sein. Wenn wir das Erzählcafé Nikola heuer noch starten – ab November ist Christina wieder zurück – , dann wären also im ersten Halbjahr 2023 noch ein paar Durchgänge möglich, um das Konzept gründlich zu testen. Christinas Idee war, von einem Ex-perten einen kurzen Impulsvortrag voranzustellen, geschichtlich, kunsthistorisch, technisch, oder zu einer aktuellen Problemstellung, um auch einen attraktiven Input zu liefern. Daran könnte sich ein Gespräch darüber entfalten, das dann auch ausufern darf. Ich hab' im Moment niemanden im Auge, aber vielleicht sollte ich dies dann auch zunächst Christina überlassen. Ein geschichtlicher Bezug zur Entstehung des Viertels wäre vielleicht nicht schlecht. Zwecks Identität des Viertels. Die Frage ist jetzt nur, ob wir als AG3 als Mit-Veranstalter auftreten sollen. Wenn wir wirklich in nächster Zeit eine AG-Versammlung machen wollen, könnten wir das auch gleich als Aktivität ankündigen.

 

Auf dem Heimweg von Jenny kam ich in der Hans-Wertinger-Straße noch an einem Straßen-Flohmarkt-Stand vorbei. Die Kinder nutzen den letzten Ferientag und das schöne Wetter. Ich konnte leider auch nichts aus dem Angebot brauchen, so dass wir nicht ins Geschäft kamen. Vielleicht beim nächsten Mal.

Samstag 10.9.2022 - 11:39 – Bibliothek (Bib) – T, V, Geplätscher aus dem Bad

Ein nettes Treffen gestern mit Christina Meindl im Petit Café in der Schirmgasse. Die hat nun die Idee eines „Erzählcafés“ in der Gastgeb geäußert, mit jeweils einem kurzen „Impulsreferat“ am Anfang durch einen eingeladenen Experten, um einen inhaltlichen Input zu bieten, bevor man ins allgemeine Gespräch übergeht. Guter Vorschlag. Ich werde Markus morgen beim Tag des offenen Denkmals nach den Möglichkeiten fragen. Ansonsten gehe die „Orientierung im Raum“ im Lehrplan des Heimat- und Sachunterrichts (HSU) der Grundschule bereits in der ersten Klasse los. Dieses Projekt mit Peter Litvai habe sie aber im Rahmen des Kunstunterrichts gemacht. Monika Böhm heißt ihre Nachfolgerin.

 

Die vormalige Irmi Obernhuber aus der Bäckerei in der Johannisstraße habe ich bei der Kunstnacht gestern auf die Wohnlage hinter der Sommer-Halle angesprochen. Ganz toll, meinte sie, sehr ruhig. Und da rühre sich auch nicht sehr viel, weil einige Wohnungen auch leer stünden. Die seien verkauft, aber nicht bewohnt. Über ihr etwa eine ältere Dame, die über mehrere Wohnungen verfüge und auch ganz selten da sei. Drei-Zimmer-Wohnungen mit 100 qm!

Sonntag 11.9.2022 - 14:15 – WoZi – V, Windrauschen

 

War im Rahmen des Denkmaltags bei der Führung der Unteren Denkmalbehörde an der restaurierten Stadtmauer am Ursulinenkloster dabei. Frau Dr. Denk gab einen schönen Einblick in ihre Arbeit, wußte auch über die Situation an der Wagnergasse Bescheid. Ja, da steht noch ein Gutachten aus zur „Zumutbarkeit“ der notwendigen Sanierung bzw. zur Erlaubnis eines Abrisses trotz Denkmalstatus, und nein – wer dieses Gutachten erstellt, dürfe nicht genannt werden. Und wie lange sich dies noch hinziehen wird, könne man auch noch nicht abschätzen. Die nächsthöhere Ebene ist dann die Obere Denkmalbehörde an der Regierung von Niederbayern mit Fr. Dr. Borgmeier als Leiterin. Ich werde jetzt Markus Stenger besuchen, der seine Gastgeb im Rahmen des Denkmaltags auch geöffnet hat.

 

Donnerstag 8.9.2022 - 16:15 – WoZi – V, VG, Kinderstimmen von unten, Hupen von fern

 

War auf einen Kaffee im Schlachthof. Der beste Platz, um die Zeitung durchzublättern. Ein schönes Café – so lange diese Zwischendecke noch nicht eingezogen ist. 70er-Jahre-Musik. Ich bin der einzige Gast, später kommt noch ein Paar zum Einkaufen. Die Damen hinter der Theke sind gutgelaunt, irgendwann kommt auch noch der Chef kurz durch. Zu kurz, als dass ich ihn fragen könnte, wann das mit der Zwischendecke nun passiert. Dylans „Knocking on Heaven's Door“ wird gespielt, draußen kreuzen schwarze SUVs junger Türken auf. In der SZ lese ich in der Rezension von Jennifer Egans neuem Roman „Candy Haus“ (Marie Schmidt):

 

 

Müßte man kollektive Erzählperspektiven erfinden? Auf solche Ansprüche reagiert Jennifer Egan auffällig schlapp. 'Das Kollektiv', heißt es gegen Ende über den Sohn des Tech-Gründers Bix Bouton, der ausgerechnet Schriftsteller geworden ist: „Er nahm es auch ohne Technologie wahr. Und die darin enthaltenen Geschichten, ob allumfassend oder individuell – er würde sie erzählen.“ Die trotzige Selbstbehauptung einer Literatur, die sich vor der disruptiven Gewalt des technischen Fortschritts entschieden zurückzieht und es offenbar nicht damit aufnehmen will“.

 

So geht es auch mir mit meinem Text, von dem ich noch nicht weiß, was daraus werden soll. Lassen wir es wachsen.

In der LZ war heute zu lesen, daß an der Hochschule Landshut bei den Sozialwissenschaften ein neuer Prof. eingeführt worden ist: Dr. Marius Otto (37), der in den Bereichen Sozialräumliche Soziale Arbeit und Gemeinwesenarbeit tätig sein wird. „Seinen Focus legt er dabei auf die räumlichen Perspektiven und die Bedeutung von Raum-Settings in der Sozialen Arbeit, beispielsweise mit Quartieren und Nachbarschaften.“ Für den wird doch sicher Stadtteilbildung und Viertel-Identität interessant sein. Vielleicht sollte ich mit ihm Kontakt aufnehmen.

Mittwoch 7.9.2022 - 13:35 – Bib – T, V, Vogelgezwitscher (VG)

 

Wegen unserer Forderungen bezüglich des politischen Beteiligungsprozessen in Fragen des Viertels haben Willi, Uli und ich gestern nachmittag bei uns getroffen und unsere Positionen geklärt. Das Papier vom 23.7. bleibt unser Statement, das wir nun etwas überarbeitet in die Evaluierung einbringen möchten. Wir werden vermutlich in nächster Zeit (vielleicht in der Gastgeb) ein AG1/3-Treffen veran-stalten und das als öffentlich ankündigen, um eine etwas breitere Legitimation zu erhalten. Ich sehe unsere Bemühungen als beispielhaft für Bürgerbeteiligungs-Engagement, wie es von den Stadtteilen ausgehen könnte, und wie man von der kurzfristig ausgerichteten und von Eigeninteressen geleiteten „Beteiligung“ wegkommen könnte, die allzu oft nur auf Konfrontation BürgerInnen vs. Verwaltung gekennzeichnet ist. Insofern erscheint das Bürgerräte-Konzept zielführender, das aber das langjährige Engagement und das erworbene Detailwissen von den Initia-tiven unberücksichtigt läßt. Wir werden uns ja heute abend bei der Sitzung des AK Stadtentwicklung nochmals austauschen und dort deutlich machen, dass wir als AGs uns in unseren weiteren Bemühungen dezidiert von der grünen Parteipolitik absetzen wollen. Wir wollen unseren eigenen Weg gehen.

 

Morgen abend wäre im übrigen wieder eine Jahreshauptversammlung – nach zwei ausgefallenen Versammlungen nun wieder körperlich. Wir haben keine Lust hinzugehen. Man hat den Eindruck, als würde dort jede Beteiligungsabsicht vorsorglich unterbunden und man brauche die Mitglieder nur zum Abnicken der Vorschläge des Vorstands und der Geschäftsführung. "Genossenschaft" war einmal.

Schwierig, hier wg. Datenschutz auf Namen zu verzichten. Solange es als private Aufzeichnung läuft, ist da natürlich kein Problem, aber wenn man den Text weitergeben möchte, müßte man evtl. die Namen ändern oder unkenntlich machen. Wodurch der Text an Authentizität verlieren würde. Aber natürlich nehme ich solche Stellen raus.

Dienstag 6.9.2022 - 6:23 – WoZi – T, V, BRklassik: eine Opernarie

 

Gestern hat mir Uli Theising den letzten Stand der Dinge zum Quartiersbeirat geschrieben: Die Sanierungsstelle im Baureferat habe ihm auf seine Nachfrage hin mitgeteilt, daß die nächste Sitzung in Vorbereitung sei und auch die Evaluation zum Thema habe. Aus diesen Gründen werde sie erst Ende Oktober/Anfang November stattfinden können. Eine städtische Mitarbeiterin im Stadtplanungsamt habe ihn da im Auftrag von Frau Geiner zurückgerufen und angekündigt, dass es dabei auch darum gehen werde, wie Bürgerbeteiligung im Allgemeinen und die Beteiligung der AGs der Sozialen Stadt eingebunden werden können. Auch Bürgermeister Haslinger sei hier sehr stark involviert. Man werde rechtzeitig mit den entsprechenden Unterlagen einladen.

 

Sonntag 4.9.2022 - 8:23 – WoZi – T, V, BRklassik: Geistliche Musik, VG

 

Im Rahmen der Evaluation müßte natürlich auch die VU in ihren Zielen angepaßt werden. So etwas wie Klimakrise war Mitte der 90er-Jahre noch kein Thema. Zumindest sollten wir das fordern. PV auf die Dächer, Begrünung von Flachdächern – auch im Bestand – und Fassadenbegrünung sowie eine viel restriktivere Ausweisung von Baugenehmigungen, um die verbliebenen Grünflächen zu erhalten. 

 

Samstag 3.9.2022 - 8:10 – WoZi – T, V, BRklassik: Jagdmusik

 

Gestern habe ich in einem neuen Spiralringbuch diese ganze „Phänomenologie“ zusammengestellt und nun erstmals einen Komplett-Überblick über alles Bisherige. Es sind ja erst knapp zwei Monate. In die Gastgeb bin ich nicht mehr hineingekommen. Wir haben gestern auf dem Weg in die Stadt Jürg Zieger, einen alten Bekannten wieder getroffen, der auch nicht weit von uns im Viertel wohnt. Jetzt mit neuer Freundin und Hund. Ich habe sie eingeladen, uns bei Gelegenheit doch mal zu besuchen. Auch eine alte Kollegin aus dem Wochenblatt ist mir die Tage hier über den Weg gelaufen. Ihr Name ist mir aber entfallen. Das Wochenblatt ist im übrigen sehr dünn geworden. Hat wohl auch unter der Digitalisierung bereits Federn gelassen, wozu dann auch noch die Pandemie der letzten Jahre kam. Dazu kommt nun auch noch die erhebliche Verteuerung des Papiers. Sie kommen kaum mehr über 16 Seiten hinaus, gegenüber 48 Seiten und mehr in den 00er-Jahren. So schmal wie in den Anfangszeiten Ende der 70er Jahre am Heuweg, als ich dort ein paar Jahre lang die Redaktion besorgte. Aber auch die LZ kann ihre Auflage nicht halten. Die IVW-Zahlen besagen, dass die Verkäufe weiter kontinuierlich zurückgehen. Seit fünf Jahren um weitere 5 Prozent, seit der Jahrhundertwende um über 20 Prozent, wobei seither der Zugewinn bei den e-Papers den Rückgang der Print-Ausgabe bei weitem nicht ausgleichen konnte. Bei uns im Haus haben von den 27 Parteien nur drei die Tageszeitung abonniert. Wir und zwei von auswärts zugezogene Paare.

 

 

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© Johann Haslauer

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