WILLKOMMEN IM NIKOLAVIERTEL
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Digitaler Zwilling für das Nikolaviertel

Der "digitale Zwilling" ist ein neues Werkzeug der Stadtentwicklung, das demnächst auch in Landshut eingerichtet werden soll. Es wird auch eine neue Plattform für neue Bürgerbeteiligung.

28. Juni 2026 - Theorie

 

Ein urbaner digitaler Zwilling (DZ), ein neues Werkzeug der Stadtentwicklung, ist nicht nur ein 3D-Modell der Stadt. Er verbindet Geodaten, Verkehrs- und Umweltdaten, Gebäude- und Energiedaten, Simulationen („Was wäre wenn?“) mit Beteiligungsplattformen für Bürgerinnen und Bürger. Damit können Kommunen testen, wie sich etwa neue Bebauung, Verkehrsberuhigung oder Klimaanpassung auf ein Quartier auswirken würden. In Deutschland wird bereits in vielen Städten konkret mit DZ für die Stadtentwicklung gearbeitet, neben München, Hamburg, Leipzig auch in kleineren Städten wie Ulm, Schwabach oder Haßfurt, zunehmend auf der Ebene einzelner Quartiere oder Stadtteile. 
 
Nachdem der öffentliche Raum durch die digitale Transformation seine bisherigen Foren (Straßen und Plätze, Gemeinschaftsräume wie Kirchen und Wirtshäuser, Vereine und Stammtische) verlassen hat und in neue Sphären vorstößt, wird Nähe an Priorität für den Resonanzraum Stadt gewinnen, wenn der DZ als Werkzeug der Selbstwahrnehmung eingesetzt wird. Der DZ wäre dann eine Spiegelung des lokalen öffentlichen Raums. Der Bonner Philosoph Markus Gabriel hat die KI-Revolution bereits in der „Binnenstruktur des Menschseins“ (2026) verortet, die stets auch räumlich angelegt ist (Heidegger). Wir könnten als Projekt im Rahmen des Programms „Sozialer Zusammenhalt“ in der Nachfolge der „Sozialen Stadt Nikola“ eine lokale Plattform „Digitaler Zwilling Nikola“ entwickeln und ein „Urbanes Labor“ für eine solche Infrastruktur einrichten. 

29. Juni 2026 - Utopie

 

Eine schöne Formulierung aus einer Besprechung des Ingeborg-Bachmann-Preises von Marie Schmidt in der Süddeutschen Zeitung von heute bringt die veränderte Öffentlichkeit unserer Zeit auf den Punkt: "In einer Zeit, deren kollektive Vorstellungen überwiegend in den sozialen Medien formuliert werden, und deren Erkenntnishorizont allmählich von von künstlicher Intelligenz eingesaugt wird", sei Klagenfurt eine Utopie...

2. Juli 2026 - Einwände

 

Bei aller Begeisterung für die Möglichkeiten dieses Werkzeugs bestehen Vorbehalte: Anonymität vs. Klarnamen, verläßliche Identifikationspflicht, die Demokratie lebt vom offenen Visier, wie weit ist KI involviert? Ist diese Plattform nicht nur Datengenerator? Statt Kommunikationsforum und öffentlicher Raum zum Verhandeln der örtlichen Belange.

Und lagern wir da nicht die öffentliche Kommunikation in die digitale "Maschine" aus? Die Selbstoptimierung des Kollektivs Stadt/Stadtteil wird - wenn wir nicht aufpassen - von dieser "Maschine" übernommen werden...

 

Es gibt auch in Landshut einen Ableger von Digitalcourage e.V., eines bundesweiten Vereins, der sich für eine lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter einsetzt. "Wir sind technikaffin, doch wir wehren uns dagegen, dass unsere Demokratie „verdatet und verkauft“ wird." Jeden dritten Dienstag im Monat wird im Riebl in der Freyung ein Workshop zu demokratiefreundlichen digitalen Alternativen veranstaltet (Nebenraum, Beginn 19 Uhr). https://digitalcourage.de/ 

August 2026 - Fachliche Betrachtung

 

Die aktuelle Ausgabe Heft 4/2026 des vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V. behandelt das Thema Lokale Identitäten: 
"Der lokale Kommunikationsraum, der Jahrzehnte lang die Voraussetzung für informierte Teilhabe und kollektive Selbstverständigung war, bricht zusammen. Lokalzeitungen schrumpfen oder verschwinden. Globale Plattformen in Form von Social Media und von KI-Agenten gesteuerten Prozessen treten an ihre Stelle. Der lokale Wahrnehmungsraum als gemeinsam geteilter Möglichkeitsraum für alle schwindet. Die Beiträge in diesem Heft beleuchten diese Problematik aus verschiedenen Perspektiven. Die Bedeutung von Medien in unterschiedlichen lokalen Räumen, die Zukunft von Lokalmedien und Lokaljournalismus, die Möglichkeiten für Innovationen im Feld der Lokalkommunikation, digitale Plattformen und ihre Gestaltung oder die Rolle von KI — all das berührt die gleiche Grundfrage: Was braucht lokale Demokratie, damit sie trägt?"
 
https://www.vhw.de/fileadmin/user_upload/08_publikationen/verbandszeitschrift/FWS/2026/FWS_4_2026/FWS_4_2026_Gesamtausgabe.pdf
Ausführlich dazu die Studie von Experten in der vhw debatte 12/2026:
https://www.vhw.de/fileadmin/user_upload/08_publikationen/vhw_Debatte/
vhw_debatte_12_Appell_Lokaler_Kommunikationsraum.pdf.
 
vhw-Verbandstagung 2020: "Quartiere neu denken" (AK Quartiersforschung) mit den Vorträgen der Online-Tagung: https://www.vhw.de/termine/veranstaltungsberichte/tagung-quartiere-neu-denken-2020/
auch: https://www.vhw.de/forschung/lokale-demokratie/kommunikation-und-stadtentwicklung/
https://www.vhw.de/forschung/lokale-demokratie/kommunikation-und-stadtentwicklung/projekte/digitaler-monitor-zur-selbstbeobachtung-lokaler-oeffentlichkeit/
 
Bundestag 2026: Situation der Lokalmedien als Baustein der Demokratie erörtert:
In einer halbstündigen Vereinbarten Debatte hat sich der Bundestag am Donnerstag, 7. Mai 2026, mit dem Thema „Meinungsvielfalt und Bürgerbeteiligung – Lokalmedien als unverzichtbarer Baustein unserer Demokratie“ befasst. Bei einer Vereinbarten Debatte handelt sich um eine Aussprache zu einem bestimmten Thema ohne eine Vorlage.
https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw19-de-vereinbarte-debatte-lokalmedien-1167358

Aktuelles

 

Das Viertel im Radio

Amvergangenen Di, 21. Juli wurde in der Kultursendung von BR2 um 14 Uhr ein Beitrag von Roland Biswurm über die Aktivitäten der Landshuter Bauminitiative um Willi Forster, Mark Kammerbauer und Helmut Wartner gesendet, der u.a. auch das Nikolaviertel in den Blick nahm. Nachzuhören in der BR2-Mediathek.

 

 

Orgelkonzert in St. Konrad

Ein hochkarätiges Orgelkonzert gibt es am So, 26. Juli um 17 Uhr wieder in der Pfarrkirche St. Konrad mit dem Regensburger Organisten Prof. Josef Stoiber. Frank Dillmann (Nürnberg)  setzt die Reihe am 25. Okt. fort. Der Eintritt ist frei.

Wahlergebnisse im Viertel

Bei den Kommunalwahlen am 8.3.2026 gab es im Viertel nachfolgende Ergebnisse (in Prozent, in Klammern die Zahlen der Gesamtstadt):

CSU 24,7 (28,9); Grüne 18,4 (20,1); AfD 18,0 (11,2); Linke 10,4 (5,5); SPD 9,2 (10,0); FW 6,2 (9,2); Zukunft La. 4,1 (4,5); ÖDP 3,3 (3,3); JU 2,6 (3,2); FDP 2,3 (2,9); BP 0,8 (1,0). Aus dem Viertel sind nun im Stadtrat vertreten: Hedwig Borgmann (Grüne), Falk Bräcklein (Linke), Anja König (SPD), Norbert Hoffmann (ZL) und Ursula Weger (CSU). Jh

Einhausung der Sturmvilla im Bausenat durchgewunken

Nachdem die Denkmalwürdigkeit der Sturmvilla außer Frage steht, wurde nun im Bausenat die Folgebebauung des angrenzenden Grundstücks auf den weiteren Weg gebracht. Trotz heftiger Einsprüche der Grünen-Stadträte (C.Rabl: „Denkmal in Käfighaltung“ und T.Keyßner „Das Denkmal wird erdrückt!“) sollen nun die Planungen des Investors an Stelle der ehem. Tankstelle mit einer 7-8-stöckigen Bebauung fortgeführt werden. Offen ist noch die Folgenutzung der Sturmvilla. In der Sitzung war auch von einem „Quartierstreff“ die Rede. Jh

 

"Miniblocks" fürs Nikolaviertel

Die Belastungen durch den Verkehr beeinträchtigen mit der zunehmenden Verdichtung immer mehr die Wohnqualität in einzelnen Bereichen des Viertels. Ein Konzept, das hierzu Abhilfe schaffen könnte, wäre die Einrichtung von "Miniblocks" nach dem Vorbild von Barcelonas sog. "Superblocks", die mittlerweile auch in einigen anderen Städten eingerichtet wurden bzw. in der Diskussion sind. In einer gut besuchten  Veranstaltung der AGs1/3 am Mi 22.Okt.  iin der METIS ) stellte der Urbanist Marcel Thielitz sein im Rahmen einer Master Thesis an der TU München erarbeitetes Konzept zur Diskussion. Mehr dazu hier .

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© Johann Haslauer

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